im Gespräch - pfr. Ioan Sandor

Seit 2023 bist du lieber Pfr. Ioan neben Höchst und Gaißau auch Pfarrer von Fußach.
Viele haben dich in dieser Zeit kennen und schätzen gelernt. Deine freundliche Zugewandtheit, dein guter Humor, deine Offenheit und dein Zuhören Können ist immer wieder erfahrbar und auch in den Gottesdiensten werden deine wohlüberlegten und achtsamen Worte sehr geschätzt.
Gerne möchten wir an dieser Stelle in die Zeit auf Ostern hin persönliche Fragen an dich stellen.


Was bedeutet dir Ostern?
Ostern ist für mich das Fest der Hoffnung. Es beginnt nicht mit Jubel sondern mit Trauer. Das Evangelium erzählt, dass Maria Magdalena am Grab weint. Ein Kind hat einmal gesagt: Vielleicht hat sie Jesus deshalb zuerst nicht erkannt, weil ihre Augen voller Tränen waren. Dieses einfache Bild sagt viel über Ostern: Gott beginnt nicht dort, wo alles perfekt ist, sondern mitten in unserer Trauer, unseren Ängsten und unseren Dunkelheiten.

Ostern bedeutet: Gott lässt uns nicht im Grab unserer Sorgen zurück. Er wälzt den Stein weg – den Stein der Angst, der Trauer, der Krankheit oder der Hoffnungslosigkeit. Das ist für mich die tiefste Botschaft von Ostern: Es gibt immer einen neuen Anfang.


Welche Erinnerungen weckt Ostern in dir?
Ostern ist für mich sehr stark mit den Erinnerungen an den Frühling meiner Kindheit verbunden. Ich bin auf dem Land aufgewachsen und war als Kind viel draußen: im Garten, auf dem Feld bei der Arbeit oder im Wald beim Spielen. Nach dem langen Winter war der Frühling immer etwas Besonderes. Man konnte förmlich spüren, wie die Natur wieder zum Leben erwacht – die ersten grünen Blätter, die blühenden Bäume, das Licht, das jeden Tag stärker wird.

Darum verbinde ich Ostern ganz natürlich mit diesem Neubeginn der Natur. Als Kind habe ich vielleicht noch nicht alle theologischen Bedeutungen verstanden, aber ich habe gespürt: Das Leben kommt zurück. Heute sehe ich darin ein schönes Bild für die Osterbotschaft. So wie die Natur nach dem Winter wieder aufblüht, so spricht Ostern davon, dass Gott neues Leben schenken kann – auch dort, wo wir vielleicht schon dachten, alles sei kalt und leer geworden.

Ostern erinnert mich immer an den Weg vom Dunkel ins Licht. In der Osternacht beginnt alles im Dunkeln, und dann wird das Osterlicht entzündet. Dieses Zeichen berührt mich jedes Jahr neu.

Es erinnert mich daran, dass auch unser Leben solche Wege kennt. Es gibt Zeiten, die sich wie Winter anfühlen: Zeiten von Trauer, Unsicherheit oder innerer Kälte. Aber wie in der Natur der Frühling kommt, so verspricht uns Ostern: Das Leben wird wieder aufbrechen. Vielleicht zuerst ganz klein – wie eine Knospe am Baum –, aber doch wirklich.

Ostern sagt mir: Der Tod hat nicht das letzte Wort. Nicht über Jesus – und auch nicht über unser Leben.


Welche Botschaft beinhaltet dieses Ereignis heute für uns – unabhängig davon, wie groß unser Glaube ist?
Interessant ist, dass es zur Zeit Jesu viele Menschen gab, die als Messias auftraten. Einige waren mächtiger, berühmter oder erfolgreicher als Jesus. Aber ihre Namen sind heute fast vergessen.

Jesus dagegen wurde am Kreuz hingerichtet – eine der schändlichsten Strafen der damaligen Zeit. Nach menschlicher Logik hätte seine Geschichte dort enden müssen. Und trotzdem ist gerade aus diesem Scheitern eine Bewegung entstanden, die die Welt verändert hat.

Das zeigt mir: Die Botschaft von Ostern ist größer als unsere Erwartungen. Gott wirkt oft nicht durch Macht und Stärke, sondern durch Liebe, Hingabe und Treue. Deshalb kann Ostern auch Menschen berühren, die vielleicht mit Glaubensfragen ringen. Es sagt uns: Hoffnung ist stärker als Resignation. Leben ist stärker als der Tod.


Im Blick auf deine Pfarrgemeinden – was liegt dir besonders am Herzen? Woran sollen Christengemeinden erkennbar sein?
Mir liegt besonders am Herzen, dass Menschen in unseren Pfarren etwas von der Nähe Gottes spüren. Kirche darf kein geschlossener Raum sein, sondern ein Ort, an dem Menschen willkommen sind – mit ihren Freuden und Sorgen.

Ein großes Vorbild ist für mich der heilige Nikolaus, unser Kirchenpatron. Sein größtes Wunder war nicht etwas Spektakuläres, sondern seine mit Diskretion gelebte Menschlichkeit: seine Güte, seine Zuwendung zu Armen, Kranken und Ausgegrenzten.

Ich glaube, daran sollten Christengemeinden erkennbar sein: an Menschennähe, an Hilfsbereitschaft und an einem offenen Herzen. Viele Menschen in unseren Pfarren leben das bereits – oft ganz still und ohne große Bühne: Menschen, die Kranke besuchen, Einsame begleiten, sich für Kinder, Jugendliche oder Bedürftige einsetzen.

Kirche lebt von solchen Menschen, nicht von perfekten Strukturen, sondern von glaubwürdigen Christen, die versuchen, Gottes Liebe im Alltag sichtbar zu machen.


Du warst als Priester an vielen Orten, in Andalusien und England .. mit deiner rumänischen Herkunft hast du das Fremd sein auch erfahren. Wie hat das deinen Glauben und deinen Blick auf die Welt geprägt?

Das Leben in verschiedenen Ländern hat meinen Blick sehr erweitert. Wenn man in einer anderen Sprache lebt oder selbst einmal der „Fremde“ ist, lernt man Demut und Verständnis.

Man entdeckt auch, wie unterschiedlich Menschen glauben und leben – und zugleich, wie viele Dinge uns verbinden. Überall sehnen sich Menschen nach Sinn, nach Gemeinschaft und nach Hoffnung.

Für meinen Glauben war das eine Bereicherung. Ich habe gelernt, dass Gott größer ist als unsere kulturellen Unterschiede. Der Glaube kann Brücken bauen zwischen Menschen, Sprachen und Traditionen.


Und noch eine Frage von einem Ministranten: „Wie viele Sprachen kann Pfarrer Ion denn?“

Sprachen sind für mich etwas Schönes, weil sie Begegnungen ermöglichen. Und manchmal hilft schon ein kleines Wort in der Muttersprache eines Menschen, um ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Ich hatte das Glück, in verschiedenen Ländern zu leben, und habe mich immer bemüht, die Sprache des jeweiligen Landes zu lernen – manche besser, manche weniger gut. Nicht perfekt und nicht akzentlos, aber gut genug, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Und genau darum geht es ja: einander zu verstehen.


Herzlichen Dank für's Mitteilen,
Elisabeth Schwendinger