Herzräume Blog 2021

 

Herzlich willkommen auf meinem Herzräume Blog.

Gerne teile ich Schönes und Wertvolles aus meinem Unterwegssein,

Zugefallenes und Entdecktes aus diesen Tagen;

lade ein zu besonderen Orten und Menschen, Büchern und Heiligen Schriften.

Elisabeth Schwendinger


15. Jänner 2021

 

Schneepsalm

 

In der winterlich hellen Nacht rahmte mein Fenster den schnee-bedeckten Nussbaum im Garten. Das leise Flocken ließ bis zum Morgen das Weiß über alle Zäune und Dächer wachsen.

Der SCHNEEPSALM von Christine Busta kam mir in den Sinn.

Nun sitze ich über ihre in Leinen gebundenen Gedichtbände, suche, in welchem er zu finden ist. Komm nicht mehr los von diesem innigen Schreiben, das Leben atmet, berührt. 

Zuerst fällt mir ihr leises Bild vom SCHNEE IM ADVENT in die Hände.

 

Leiser wird nichts verkündigt:

so reden Liebende nachts,

die fern voneinander schlafen,

und finden am Morgen die fremde

Erde wieder als Nest

voll von himmlischem Flaum. 

Christine Busta, aus: Gedichte – Die Scheune der Vögel, Otto Müller Verlag Salzburg

 

Im nächsten Band bleibe ich bei ihren SCHNEEFLOCKEN hängen 

 

SCHNEEFLOCKEN – 

wieviel Heimkehr

ausgesendeter Wärme ...

 

Kristalle aus Wasseratem,

Erdatem, Menschenhauch,

frostverdichtet und löslich.

 

Botschaften, 

windhin,

sternher ...

Christine Busta, aus: Gedichte – Und wenn du das Wappen der Liebe malst, Otto Müller Verlag Salzburg

 

Ob sie heute den Schneepsalm vielleicht mit Stern geschrieben hätte? 

Hab ihn gegendert, wollte hören, wie er klingt, wenn aus dem Schöpfer eine Schöpferin spricht.  

So lege ich ihn auch überschrieben bei. 

 

SCHNEEPSALM  überschrieben ...

 

Heute nenn ich Dich Schnee,

Du unerschöpfliche Schöpferin

vergänglicher Schneekristalle,

die die nackten Äcker bekleidet,

die Wanderer*in  weglos macht

und die ärmlichen Hütten 

füllt mit Geborgenheit und Einkehr.

 

Schwebende Du, die den Bäumen Last wird,

die die tapferen Krähen auswirft

in die Stille und die Tiere

aus den Wäldern den Menschen nah bringt,

die die Hilflosen hilfloser macht

und die Hilfsbereiten bereiter.

 

Lautlose, die das Vertraute entfremdet,

wird uns Deine Fülle begraben,

werden Flüche das Lob ersticken?

Morgen vielleicht schon wird uns Dein Weiß 

blenden und Du beginnst zu tauen. 

Herrliche! Dann nenn ich Dich Sonne.

 

SCHNEEPSALM

 

Heute nenn ich Dich Schnee,

Du unerschöpflicher Schöpfer

vergänglicher Schneekristalle,

der die nackten Äcker bekleidet,

den Wanderer weglos macht

und die ärmlichen Hütten 

füllt mit Geborgenheit und Einkehr.

 

Schwebender Du, der den Bäumen Last wird,

der die tapferen Krähen auswirft

in die Stille und die Tiere

aus den Wäldern den Menschen nahbringt,

der die Hilflosen hilfloser macht

und die Hilfsbereiten bereiter.

 

Lautloser, der das Vertraute entfremdet,

wird uns Deine Fülle begraben,

werden Flüche das Lob ersticken?

Morgen vielleicht schon wird uns Dein Weiß 

blenden und Du beginnst zu tauen. 

Herrlicher! Dann nenn ich Dich Sonne.

Christine Busta, aus: Gedichte – Und wenn du das Wappen der Liebe malst, Otto Müller Verlag Salzburg

 

 


12. Jänner 2021

 

Eile, beeile dich

Nun ist der Christbaum abgeräumt, die Sterne in die Schachtel gelegt. 

Die zarte Goldrand-Schale von Josephine, mit den hell erleuchteten Häusern von Bethlehem und dem überdachten Stall, zu dem die drei Weisen mit ihren Kamelen kommen, lass ich bis Lichtmess stehen. 

Auf dem Tisch noch die Weihnachtsgeschichte, eine glückliche Entdeckung, die ich hier gerne teile. »Der kleine König folgt dem Stern.« Die Namen von Jan de Leeuw und Mattias de Leeuw sind am Bildrand über dem hell erleuchteten Sternenhimmel zu lesen. Aus dem Fenster des hohen Schlossturmes lehnt der kleine König Sevi, der ganz aufgeregt das Geschehen am Himmel betrachtet. »Komm und folge mir, König. Eile, beeile dich.« Mit dem  zugeflüsterten Sternenwort saust er durch alle Flure und Treppen bis zum Sterndeuter, der ihm von der bevorstehenden Geburt des Königs, der mächtiger sein soll, als alle Könige zusammen, berichtet. Wer ihn finden will, muss dem Stern folgen. Und so macht sich Sevi aus seinem Land der kleinen Wunder mit seinem Pferdchen, drei Päckchen und einer Tortenschachtel auf den Weg. An der Landesgrenze wird er von einem großen Tross überholt, der von drei Königen angeführt wird, die auch den Ruf des Sterns vernommen hatten. Sie allerdings haben es sehr eilig und ziehen an ihm vorbei. 

Bald darauf begegnet ihm eine weinende Frau, später ein Mann, der in großer Sorge um sein Dorf klagt und dann noch ein Geschwisterpaar, das mit seinem Karren vom Tross der drei Könige vom Weg abgedrängt wurde und nicht mehr weiter kann. So hat er am Ende alle wundersamen Geschenke hergegeben, die er dem kleinen König bringen wollte. Es schien ihm aber so richtig, weil der mächtigste König der Welt würde all das wohl nicht nötig und von allem genug haben.

Zu Fuß stapft er hungrig, müde und nass durch den frisch gefallenen Schnee. Der Gesang des Sterns lässt ihn weitergehen. »Beeile dich, denn der große König ist gekommen.«  Erschöpft legt er sich an den Straßenrand und schläft seltsam behütet ein. 

»Hier war kein König zu finden«, rufen laute, erboste Stimmen. Es sind die drei Könige, die mit ihren Geschenken finster zurückkehren. Der Stern habe sie in die Irre geführt. Ein Stall mit schmutzigem Stroh und armen Leuten ... ein Kind in der Krippe. Was für eine lächerliche Figur sie hier abgaben, mit den Händen voller Gold und Juwelen.

Sevi bleibt im Schnee liegen, bis der Mann mit einer Frau, die auf einem Esel sitzend, verwundert seine kleine leuchtende Krone im Sternenlicht funkeln sieht. Er hebt ihn vom Boden auf und legt ihn unter den großen Schal zu ihrem kleinen Kind, das seine Frau warm in den Armen hält. Aus dem Schlaf erwacht betrachtet Sevi staunend sein Gegenüber, das er nun freudig begrüßt: »Hallo großer König«. Dieser nimmt seinen Daumen und nuckelt glücklich daran.

Wie die leergeschenkten Hände zum Segen werden ...

Bezaubert von den Bildern, dem leichten, humorvollen Erzählen, das so Kostbares ans Herz legt, stelle ich es zu den ganz schönen Büchern dieser Tage. 

 

 


1. Jänner 2021

 

Neujahr 2021 und immer noch Advent

 

Obwohl Weihnachten vorbei ist, das Kind in der Krippe und die Raketen dieser Nacht am Himmel verglimmt sind. Über den ganzen Erdkreis warten wir immer noch: 

Auf das Leben, das gemeinsame Singen, auf das Feiern mit wem und wo immer, auf das Händeschütteln und in den Arm nehmen. Mit dem Christuskind in uns, in dir und mir? 

Hab die pudrigen Weihrauchkörner aus Patmos in die Feuerschale gelegt. Der warme Geruch des Baumharzes mit den beigemengten Blüten, der einher geht mit dem leisen Schellen der Rauchfässer, die von den Mönchen und Popen geschwenkt, segnend durch die Reihen der Betenden tanzen. Das Holz der Bänke und Türen, die Ikonen,Tücher und 

Gewänder, alles atmet diese schwere Süsse.

Gabriella und die vielen anderen Nonnen, die wegen des Lockdowns wieder hinter abgesperrten Klostermauern ohne Inselbewohner*innen und Gäste Weihnachten und Neujahr feiern, werden diese sehr vermissen. Die Stühle neben Gabriellas Platz beim großen Kerzenhalter bleiben leer. Kein Durcheinander von brennenden kleinen Kerzen, die sie mit ihren großen ruhigen Händen ordnet und bald wieder löscht um den Nächsten die eintreten, Platz zu machen. Das freundliche Willkommen in ihren Augen, das allen gilt, die eintreten und die Freude darin beim Wiedersehen, bleibt unvergessen. 

Sie werden unter sich sein, die schwarzgewandeten Frauen, die ihre Gebete und Lieder 

in die Nacht tragen, die Ikonen küssen und sich tief vor dem Kind und der Panagia, der Gottesmutter, verbeugen. Ihre tiefen Stimmen, mit denen sie die nicht enden wollenden Psalmen singen, stunden in diesen Nächten die Zeit, mischen sich in das Rufen dieser Nacht und die vielen Wünsche.  »Kali Xronia«, ein gutes neues Jahr….

Yasmin und Rosenweihrauch, auch für Gabriella, Cherodissa und ihre Schwestern unten im Evangelismos.