Kairos - Rauminstallation von Elke Maier

 

Fäden. Bunte, schwarze, weiße. In jedem Haushalt finden wir sie. Im Reiseset oder in der Nähkiste - wer flickt und näht, weiß um ihre Kostbarkeit. Wäsche und Kleider, Vorhänge und Deko, Arbeitshosen und Rucksäcke, Segel und Zelte, Sportausrüstung, Schuhe und Taschen halten sie zusammen. 

Bei uns nun finden wir sie in der Kirche. Von weißen Spulen gerollt, wie Saiten von Musikinstrumenten kraftvoll durch den Raum gespannt, jeder einzeln mit einem Reißnagel befestigt. In über 20.000 Metern, dicht über- und untereinander, fangen sie das Licht ein, tauchen wieder mit ihm ab und verschwinden fast vor den 

Augen. Wie ausgeworfene, strahlenförmige Netze schaffen die 

feinen, zarten Fadenläufe neue Ebenen unter dem schweren Dach. Fließend, verbindend, ineinander übergehend, weisen sie darüberhinaus und zeigen sich zu jeder Tageszeit in einem anderen Licht.

In unzähligen Stunden ist Elke Maier über Leitern und Treppen 

gestiegen, Ausschau haltend nach dem richtigen Lauf für jeden 

einzelnen ihrer Fäden. Mit Augenmaß, die Fäden anknüpfend, wo immer sie nicht reichten.

Wie am Sternenhimmel scheinen sie auf, die kleinen Knoten in den weißen Bahnen. Knotenpunkte dürfen sichtbar werden, meinte sie, wie im Leben, wenn Unterbrüche geschehen und wir anschließend wieder weitermachen. 

Es ist eine leise, unaufdringliche und große Arbeit, die Elke Maier für unsere Kirche geschaffen hat. Die Installation lässt vieles offen, weitet den Raum, erinnert daran, im Hier und Jetzt willkommen zu sein. 

Kairos nannten die Griechen auch die Gunst der Stunde, das Wahrnehmen des rechten Augenblicks. Diesen nicht zu versäumen in unseren Tagen, Neues zu wagen, in der Kraft zu bleiben und dabei das Feine, Zarte und Lichtvolle nicht aus den Augen zu verlieren.

 

Elisabeth Schwendinger und Roswitha Rosenstein, im Namen der Pfarrgemeinde

 

 

Eröffnung am 3. April um 18 Uhr

Mit einem speziell für diesen Abend kreierten Programm vom 

Choreographen, Musiker und Performer Simon Mayer und den 

beiden Harfenisten Viktor Hartobanu und Siard Walter werden 

wir die Ausstellung »Kairos« feierlich eröffnen. 

Elke Maier wird auch zu Wort kommen.

 

Kulturpunkt am 1. Mai um 19 Uhr

Julia Lacherstorfer, die wir schon mehrmals mit der Formation »Alma« begrüßen durften, wird mit ihrem Solo-Debüt »Spinnerin - a female narrative« bei uns zu Gast sein. Darin begibt sie sich auf eine musikalische Spurensuche nach einer weiblichen Perspektive im österreichischen Liedgut. Sophie Abraham und Lukas Froschauer werden sie begleiten.

Im Anschluss an das Konzert wollen wir den 80. Geburtstag von 

unserem Pfarrer Sepp Franz gerne bei einem Umtrunk feiern.

 

Nachdenkliches am 3. Juni um 19 Uhr

Am Freitag vor Pfingsten hören wir Raimund Badelt zu Teilhard 

de Chardin. Genaueres dazu auf der nächsten Seite.

Musik von Matthias Meusburger an der Handpan wird den 

Abend rahmen.

 

Finissage am 3. Juli um 20 Uhr

Angelika Hagen, Geigerin, Ethnologin und Mitbegründerin des 

Hagen-Quartetts und Andreas Schreiber, Komponist und Jazz-Geiger, werden mit »freiem Spiel im Kairos« die Ausstellung beenden. 

Ihr Programm beschreiben sie so: 

Die Kirche symbolisiert den Kosmos. Das ist ein Schritt in die Unendlichkeit. Blitzschnelles Erwachen. Hier ist der Kairos gegenwärtig, in praktischer Absicht: Das gemeinsame Ergreifen der im Kairos liegenden Möglichkeiten kann uns in Erstaunen setzen. 

Es verliert auch in der Wiederholung nichts von seiner Faszination.

Im Kairos können wir uns und einander immer wieder selbst überraschen - im freien Spiel.

Diese Gegenwärtigkeit ist ein Geschenk. (Im Englischen »present« sind Gegenwärtigkeit und Geschenk eins).

»allzeit Kairos!«

 

Seien Sie herzlich willkommen!