Pfarrblatt Ostern 2022

In den Frühling

 

Liebe Leserin, lieber Leser.

 

So gerne hätten wir ein ganz leichtes Osterblatt an Ihre Tür gelegt.

Nun hat sich zur Freude über den erwachenden Frühling mit den duftenden Veilchen auch die große Not aus dem Krieg gesellt und die Verwundbarkeit unseres Lebens ist spürbar geworden. 

Mitgefühl und Hilfsbereitschaft sind nun gefordert. Spendenfeuer, Hilfsgüter, Gebete und Benefizkonzerte an vielen Orten machen die Verbundenheit sichtbar und den Ruf nach Frieden laut. 

 

Wie in alldem von Gott reden, wie den Kindern und jungen Menschen Mut machen und ihre Angst aufheben? 

Auf dem Weg zur Erstkommunion und Firmung stellen sich auch solche Fragen. Wir wollen das Brot und die Erfahrungen miteinander teilen, uns an die große Heilige Kraft erinnern, die uns allen geschenkt ist. 

Die Ostergeschichten berichten von Trauer und Schrecken vor dem leeren Grab, von hellem Licht und einem neuen Sehen. Dieses ist uns besonders ans Herz gelegt, neu Sehen.

Allen, die das tun und uns teilhaben lassen mit ihrem Fragen und Suchen, Denken und Glauben, sei an dieser Stelle herzlich gedankt. Kinder, Eltern und Großeltern, Freundinnen und Freunde, Gastautorinnen und Autoren, Künstlerinnen und Künstler. Und wenn Sie sich in unserer Christengemeinde einbringen mögen, im neuen Pfarrgemeinderat oder auf andere Weise, dann freuen wir uns.

 

Zu guter Letzt dürfen wir Sie noch herzlich einladen, mit uns die Karwoche und Ostern zu feiern, oder einfach in unserer Kirche zu verweilen. Mit der neuen Installation »Kairos« und den verschiedenen Kulturpunkten erwartet uns viel Schönes bis in den Sommer. 

 

Mit allen guten Wünschen aus dem Pastoralhaus

Gabriele Napetschnig, Roswitha Rosenstein, Elisabeth Schwendinger

 

 


Gedanken zu unserem neuen Kreuz

 

Lange haben wir gewartet. Doch nun ist es da, das neue Kreuz an der hellen Wand im Altarraum unserer Kirche. Feierlich wurde es von unserem Pfarrer Sepp Franz am Dreikönigstag geweiht. Unser Kreuz, ein schlichtes, goldglänzendes Kunstwerk von der Künstlerin Lena Grabher entworfen und gestaltet mit unseren 

Fingerabdrücken, unseren Spuren. Das macht das neue Kreuz für uns so besonders wertvoll und zu einem sehr persönlichen Ort des Ankommens, des Daseins und des Miteinanders.

Das goldene Feuer unseres Kreuzes erinnert mich an Mose und seine Begegnung mit Gott im brennenden Dornbusch. Mose fragt Gott nach seinem Namen und Gott antwortet: »Ich bin der, ich bin da.« Gottes Name ist das Versprechen seiner Allgegenwärtigkeit für immer.

Unser neues Kreuz, viele Gedanken bewegen mein Herz. Auch das hoffnungsvolle Herantasten an das Unausweichliche des Kreuzes in meinem Leben. Meine Sehnsucht ist ein Heimkommen in die Begegnung mit Gott. Die schlichte Kreuzform und der sanfte Goldschimmer sind für mich wie ein heilsames Umarmtsein. Gott in meiner Tiefe weist mir den Weg, mit meinem Herzen in alle meine Bitten und Fragen hineinzuleben ...

Meine Gedanken sind bei den so innigen Bitten, die unser Pfarrer Sepp Franz jeden Sonntag mit uns betet. Auch dafür ist für mich unser neues Kreuz ein Symbol:

»Schenk uns die Kraft deines Geistes.

Gib uns das rechte Wort.

Öffne unsere Augen.

Schenk uns ein hörendes Herz.«

Ich erkenne das Geheimnis des Kreuzes mit unseren vergoldeten Fingerabdrücken und meine Ehrfurcht wächst ...

Das Wichtigste in meinem Leben ist die gelebte Liebe zu Gott, zu meinen Mitmenschen und zu seiner ganzen Schöpfung. Ich weiß, ich bin auch mit meinen Fragen, Zweifeln und Ängsten in der Liebe Gottes geborgen.

Ich begegne unserem goldglänzenden Kreuz und mein Gedankenkreislauf kommt langsam zum Stillstand. Eine tiefe Ruhe breitet sich in mir aus. 

Ich habe unser Kreuz in tiefer Dankbarkeit verinnerlicht.

 

Inge Crone

 

 

 

 

 

herr

achte auf dein wort

damit mein wort gedeiht

über mich hinaus

und suche für uns den wind

der den norden mit dem süden verbindet

 

SAID

 

 



Furcht und Freude

 

Voller Furcht und großer Freude

1 Nach dem Sabbat aber, beim Anbruch des ersten Wochentages, kamen Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. 

2 Und siehe da: Es gab ein starkes Erdbeben, denn ein Engel des Herrn stieg vom Himmel herab, kam und wälzte den Stein weg 

und setzte sich darauf. 

3 Seine Erscheinung war wie ein Blitz und sein Gewand weiß wie Schnee. 

4 Die Wächter zitterten vor Angst und erstarrten. 

5 Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! 

Denn ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. 

6  Er ist nicht hier, denn er ist auferweckt worden, wie er gesagt 

hat. Kommt, seht die Stelle, wo er gelegen hat. 

7 Und macht euch eilends auf den Weg und sagt seinen Jüngern, dass er von den Toten auferweckt worden ist; und jetzt geht er euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Ich habe es euch gesagt. 

8 Und sie gingen eilends weg vom Grab voller Furcht und mit 

großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu berichten.

Mt 28,1–8 

 

 


Kairos - Rauminstallation von Elke Maier

 

Fäden. Bunte, schwarze, weiße. In jedem Haushalt finden wir sie. Im Reiseset oder in der Nähkiste - wer flickt und näht, weiß um ihre Kostbarkeit. Wäsche und Kleider, Vorhänge und Deko, Arbeitshosen und Rucksäcke, Segel und Zelte, Sportausrüstung, Schuhe und Taschen halten sie zusammen. 

 

Bei uns nun finden wir sie in der Kirche. Von weißen Spulen gerollt, wie Saiten von Musikinstrumenten kraftvoll durch den Raum gespannt, jeder einzeln mit einem Reißnagel befestigt. In über 20.000 Metern, dicht über- und untereinander, fangen sie das Licht ein, tauchen wieder mit ihm ab und verschwinden fast vor den Augen. Wie ausgeworfene, strahlenförmige Netze schaffen die feinen, zarten Fadenläufe neue Ebenen unter dem schweren Dach. Fließend, verbindend, ineinander übergehend, weisen sie darüberhinaus und zeigen sich zu jeder Tageszeit in einem anderen Licht.

 

In unzähligen Stunden ist Elke Maier über Leitern und Treppen gestiegen, Ausschau haltend nach dem richtigen Lauf für jeden einzelnen ihrer Fäden. Mit Augenmaß, die Fäden anknüpfend, wo immer sie nicht reichten.

Wie am Sternenhimmel scheinen sie auf, die kleinen Knoten in den weißen Bahnen. Knotenpunkte dürfen sichtbar werden, meinte sie, wie im Leben, wenn Unterbrüche geschehen und wir anschließend wieder weitermachen. 

Es ist eine leise, unaufdringliche und große Arbeit, die Elke Maier für unsere Kirche geschaffen hat. Die Installation lässt vieles offen, weitet den Raum, erinnert daran, im Hier und Jetzt willkommen zu sein. 

 

Kairos nannten die Griechen auch die Gunst der Stunde, das Wahrnehmen des rechten Augenblicks. Diesen nicht zu versäumen in unseren Tagen, Neues zu wagen, in der Kraft zu bleiben und dabei das Feine, Zarte und Lichtvolle nicht aus den Augen zu verlieren.

 

Elisabeth Schwendinger und Roswitha Rosenstein, im Namen der Pfarrgemeinde

 

 

Programm

Eröffnung am 3. April um 18 Uhr

Mit einem speziell für diesen Abend kreierten Programm vom Choreographen, Musiker und Performer Simon Mayer und den beiden Harfenisten Viktor Hartobanu und Siard Walter werden wir die Ausstellung »Kairos« feierlich eröffnen. Elke Maier wird auch zu Wort kommen.

 

Kulturpunkt am 1. Mai um 19 Uhr

Julia Lacherstorfer, die wir schon mehrmals mit der Formation »Alma« begrüßen durften, wird mit ihrem Solo-Debüt »Spinnerin - a female narrative« bei uns zu Gast sein. Darin begibt sie sich auf eine musikalische Spurensuche nach einer weiblichen Perspektive im österreichischen Liedgut. Sophie Abraham und Lukas Froschauer werden sie begleiten.

Im Anschluss an das Konzert wollen wir den 80. Geburtstag von unserem Pfarrer Sepp Franz gerne bei einem Umtrunk im Pfarrzentrum feiern.

 

Nachdenkliches am 3. Juni um 19 Uhr

Am Freitag vor Pfingsten hören wir Raimund Badelt zu Teilhard de Chardin. Genaueres dazu auf der nächsten Seite. Musik von Matthias Meusburger an der Handpan wird den Abend rahmen.

 

Finissage am 3. Juli um 20 Uhr

Angelika Hagen, Geigerin, Ethnologin und Mitbegründerin des Hagen-Quartetts und Andreas Schreiber, Komponist und Jazz-Geiger, werden mit »freiem Spiel im Kairos« die Ausstellung beenden. 

Ihr Programm beschreiben sie so: 

Die Kirche symbolisiert den Kosmos. Das ist ein Schritt in die Unendlichkeit. Blitzschnelles Erwachen. Hier ist der Kairos gegenwärtig, in praktischer Absicht: Das gemeinsame Ergreifen der im Kairos liegenden Möglichkeiten kann uns in Erstaunen setzen. 

Es verliert auch in der Wiederholung nichts von seiner Faszination.

Im Kairos können wir uns und einander immer wieder selbst überraschen - im freien Spiel.

Diese Gegenwärtigkeit ist ein Geschenk. (Im Englischen »present« sind Gegenwärtigkeit und Geschenk eins).

»allzeit Kairos!«

 

Seien Sie herzlich willkommen!

 

 


Worauf dürfen wir hoffen?

 

Können wir in Zeiten von Ukraine-Krieg, Klimakrise, Corona-Pandemie überhaupt noch hoffen? 

Ist unser Thema jetzt nicht ANGST?  

Ich meine, gerade heute ist es wichtig, sich mit einer Spiritualität der Zukunft zu beschäftigen!

Der französische Jesuit Teilhard de Chardin (1881 bis 1955) entwickelte gegen heftigen kirchlichen Widerstand eine neue Sicht auf die christliche Religion, die er in seiner prophetischen Schau in Einklang mit dem modernen Weltbild brachte. 

Als Brückenbauer, der noch dazu den Ruf eines unverbesserlichen Optimisten hatte, wurde er heftig kritisiert. Den wenigsten war aber bewusst, dass die Grundzüge seiner Ideen, aber auch seiner mystischen Erfahrungen, nicht in der Stille eines Klosters, sondern inmitten der deutsch-französischen Front auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs entstanden.

Evolution war für ihn nicht nur naturwissenschaftliche These, sondern auch ein kosmisches Drama, in dem jeder von uns seinen Platz, aber auch seine Aufgabe hat.

Mich selbst faszinierten seine Thesen schon als Student vor 50 Jahren. Meine späteren Berufserfahrungen sowohl in einem multinationalen Technologiekonzern als auch in der Caritas, mit ihrem Einblick in Not im In- und Ausland, verstärkten dieses Interesse. Ich erkannte, dass in der Zusammenschau von Wissenschaft und Spiritualität im Sinne Teilhards Schöpfungsverantwortung gelebt und Lebenssinn erfahrbar wird, wenn wir dabei die Energieform »Liebe« ernstnehmen. 

Unbeschadet aller Schwierigkeiten dürfen wir an der Vollendung der Welt in Christus mitarbeiten - es geht um sehnsuchtsvolle Hoffnung, nicht um Angst und Schrecken. Eine Religion, die mit einem modernen Weltbild verbunden ist, schafft eine fundierte Basis für persönliche Spiritualität und Hoffnung!

 

Raimund Badelt

 

 

 

 

Die Liebe 

ist die universellste 

und geheimnisvollste 

der kosmischen Energien.

 

Teilhard de Chardin

 

 



Grenzland

 

Am 8. Dezember 1991 wird der Zerfall der Sowjetunion im Vertrag von Minsk beurkundet. Tiefgreifende Verwerfungen sind die Folge, auch in der Ukraine. Große Teile der Bevölkerung tendieren in Richtung Westen, die östlichen Regionen fühlen sich mit Russland verbunden. 

Allen aber ist gemeinsam: 

Sie möchten aufbrechen in eine bessere Zukunft. Die orange Revolution scheitert schließlich und hinterlässt eine tiefe Kluft zwischen dem Osten und dem Westen in der Ukraine.

Und nun: Krieg.

Mütter mit ihren Kindern fliehen in angrenzende Länder, ihre Männer bleiben zurück, um für die Freiheit ihres Landes zu kämpfen, zu sterben.

Nach UNO-Angaben sind inzwischen bereits rund zehn Millionen Menschen in die Flucht getrieben worden. In Lwiw, einer Stadt im Westen der Ukraine, stehen fein säuberlich aufgereiht 109 Kinderwagen und Buggys auf dem Marktplatz - das Mahnmal soll den Menschen einen Ort zum Trauern geben. 

Eine Zeitenwende.

Auch bei uns in Fußach sind schon Mütter aus der Ukraine, die ihr Kind in die Schule bringen. Sie werden die Sprache lernen und versuchen, mit der Sehnsucht, mit dem Heimweh umzugehen.

Wir wissen alle nicht, wie es nun weitergehen wird, ob sich ein neuer eiserner Vorhang durch Europa ziehen wird ... 

Das aber wissen wir, wie Paul Celan geschrieben hat: 

Einmal, ... da wusch er die Welt.

Sepp Franz, Pfr.

 

 

Einmal,

da hörte ich ihn,

da wusch er die Welt,

ungesehn, nachtlang,

wirklich.

 

Eins und Unendlich,

vernichtet,

ichten.

 

Licht war. Rettung

 

Paul Celan

 

 

 


Wir teilen Brot und Wein und Freude

 

Am 22. Mai feiern acht Kinder in Fußach ihre Erstkommunion. 

Der Religionsunterricht, der Vorstellungsgottestdienst am 20. März, die Tischrunden, das Beichtritual, die Kuttenanprobe, Gespräche mit der Familie, das Erstellen von Einladungen - viele kleine und große Schritte im Alltag lassen die Vorfreude wachsen, das Brot im Gottesdienst miteinander zu teilen, wie eine Blume 

im Frühling.

Das Strahlen der drei Mädchen und fünf Jungen, wenn sie an ihren besonderen Tag denken, ist ansteckend und wärmt unsere Herzen - wie die Frühjahrssonne. 

Erstkommunionkinder, Eltern, Geschwister, Großeltern, Paten, Pfarrer Sepp Franz und sein Team, das Erstkommunionteam sowie unsere Religionslehrerin Christine Andres, alle freuen sich auf diesen besonderen Tag. 

Lassen wir uns von dieser Freude anstecken und feiern wir mit den Kindern, dass sie in die christliche Gemeinschaft hineinwachsen. Diese Freude sei uns Licht in einer Welt, die im Moment von Krankheit und Krieg überschattet wird. 

Wir laden auch Sie herzlich ein: Freuen Sie sich mit den Erstkommunionkindern, genießen Sie ihr Strahlen und vor allem teilen Sie ihre Freude fleißig weiter!

 

Isabella Kuster

 

 

 

Ich teile meine Freude, 

mit allen, die ich mag. 

Dann haben viele Leute 

viel Freude jeden Tag.

 

Und jeder teilt sie weiter, 

so wird sie niemals leer.

So wird aus wenig Freude 

ein Dutzend und noch mehr.

 

Denn mit geteilter Freude, 

da ist es wie verhext.

Wie oft wir sie auch teilen, 

sie wächst und wächst.

 

 



Segen

Altäre, Autos, Bräute, Brücken

Felder, Hälse, Häuser

Kerzen, Kinder, Palmzweige

Rosenkränze und Tote 

werden gesegnet. 

 

Gleichgeschlechtlichen Paaren aber wird der Segen verwehrt. Von wem? Von der vatikanischen Glaubenskongregation in Rom.  

 

Sie behauptet: Die katholische Kirche habe keine Vollmacht, Verbindungen von Menschen gleichen Geschlechts zu segnen. Die Kongregation sei aber aufrichtigen Willens, »homosexuelle Paare anzunehmen, sie zu begleiten und ihnen Wege des Glaubenswachstums anzubieten« (Kathpress-Tagesdienst Nr. 64, 15. März 2021!)

Weil aber die Verbindungen von homosexuellen Paaren nicht dem göttlichen Willen entsprechen, können diese Verbindungen nicht gesegnet werden. 

 

Der Bischof von Feldkirch teilt dazu mit, dass die Katholische Kirche Vorarlberg und er selber für eine Kirche einstehen, »in der alle Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung einen Platz haben. Kirche ist Heimat für alle Menschen. Niemandem von uns steht es zu, über die Lebensform anderer zu urteilen« (Bischof Benno Elbs am 17. März 2021).

 

Göttlicher Wille. Gemäß Glaubenskongregation zeigt sich der göttliche Wille in der Verbindung zwischen Mann und Frau. Nur das unauflösliche Sakrament der Ehe entspricht dem göttlichen Willen. Passt diese Verbindung noch besser in den göttlichen Plan, wenn daraus Kinder entstehen? Schließlich sehen die römischen Würdenträger den Segen eventuell für einzelne Personen mit homosexuellen Neigungen vor, wenn sie willens sind, in Treue zu Gott zu leben. Wenn sie willens sind, in Treue zu Gott zu leben! 

 

Die Männer der Glaubenskongregation und das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche erkennen homosexuelle Verbindungen nicht an. Diese Lebensform beurteilen sie als unwürdig, um  gesegnet zu werden. Sie scheint dem göttlichen Willen zu widersprechen. Woher kennen die Würdenträger den göttlichen Willen? 

 

Das patriarchale Herrschaftssystem klammert sich an Lebensformen, die nicht mehr allgemeingültig sind. Konservative Kräfte versuchen, Homosexualität als mit der Bibel unvereinbar darzustellen. Dieses Argument ist falsch: Feministische Theologinnen weisen nach, dass es in der Bibel keinen einzigen Beleg gibt, aus dem in Bezug auf Homosexualität nach heutigem Verständnis etwas abgeleitet werden kann (vgl. Positionspapier 

IG Feministische Theologinnen der Schweiz und Liechtenstein). Trotzdem verweigert die Glaubenskongregation Paaren den Segen, weil sie gleichgeschlechtlich lieben. Werde ich es erleben, dass diese Herrschaftsverhältnisse zertrümmert vor uns liegen und Neues daraus wächst?

 

Ich, frauenliebend, 72 Jahre alt, Suchende und Betende, getauft, gefirmt und bisher nicht ausgetreten, erlebe die römische Botschaft als ausgrenzend, überheblich und geringschätzig. Sie löst in mir Gefühle aus, im verknorzten System der Kirche nicht aufgehoben zu sein. Das stimmt traurig, aber häufiger zornig. Damit bin ich nicht alleine. Tröstlich ist dieses Wissen dennoch nicht.   

 

Ich erinnere mich an das kirchliche Leben meiner Kindheit: Prozessionen zu den Feldern und an Fronleichnam durchs Dorf, der Geruch von Weihrauch, liturgische Gewänder von weiß über grün zu violett, Segensgebärden, Geräusche wie das Fallen der Erde auf den Sargdeckel und das »Lumen Christi« in der dunklen Dorfkirche. Diese Erfahrungen berührten meine Gefühle. Sie nährten meinen kindlichen Glauben. Das änderte sich mit der Beichte. Im Alter von acht Jahren mussten wir lernen, unsere Sünden zu bekennen. Schuld auf sich geladen zu haben, lässt Gefühle der Scham entstehen. Jahrelang kehrte ich unter anderem deswegen dem kirchlichen Leben den Rücken. Vor der Institution Kirche flüchtete ich, wo immer es möglich war. Erst nach langer, langer Zeit begann ich, begleitet von warmherzigen und aufgeklärten Menschen, an eine gütige und liebende Schöpferkraft zu glauben.   

 

Eine glaubwürdige Kirche grenzt niemanden aus. Versteckt sich nicht hinter schwammigen Formulierungen wie zum Beispiel »Glaubenswachstum«. Sie achtet und schützt die Würde jedes Menschen, ob hetero, homo, bi oder trans. Es gibt homosexuelle Paare, die sich ergänzend zum zivilrechtlichen Akt der Eheschließung nach dem kirchlichen Segen sehnen. Dieser ist ein Zeichen dafür, dass eine homosexuelle Lebensform allen andern Lebensmodellen ebenbürtig ist.       

 

Marlise Küng

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein neues Gebot gebe

ich euch,

dass ihr euch untereinander liebt, 

wie ich euch geliebt habe, 

damit auch ihr einander lieb habt. 

Daran wird jedermann erkennen, 

dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt. 

 

Joh. 13,34



Jozo Ojdanic

 

1956 wird er in Zaluzani geboren, einem Stadtteil im Norden von Banja Luka. Nach der Pflichtschule schließt er die HTL ab und arbeitet bis zum Ausbruch des Bosnienkrieges als Elektrotechniker. 1988 heiratet er in Banja Luka mit Andja Dujmovic. Nikica, ihr Sohn, kommt auf die Welt.

1992 bricht der Krieg am Balkan mit all den unsäglichen Schrecklichkeiten aus. Die Flüchtlingswelle reißt auch Jozo und Andja aus ihrem Land. Sie kommen nach Vorarlberg. Über mehrere Stationen landen sie schlussendlich hier in Fußach: Das Leben neu aufbauen, nicht aufgeben, am »vertrauen können« wieder mühsam arbeiten; Arbeit, Wohnung suchen, ein neues Zuhause. 

Mit Sparsamkeit, Fleiß und viel Geduld schaffen sie es. Tea, das zweite Kind. Wir haben sie 1997 hier getauft, eine tiefe Freude. Jozo arbeitet bis zu seiner Pensionierung in der Firma Faigle Kunststoffe in Hard. Heuer am 1. Februar ist er in Pension gekommen. 

Seine innere Beheimatung findet er in unserer Christengemeinde. Er wird bei uns Lektor und auch Eucharistiehelfer. Unzähligen hat er das Brot des Lebens gereicht. Von 2007 bis 2012 ist er im Pfarrgemeinderat. In den Bußgottesdiensten in der Karwoche und im Advent hat Jozo seit sehr vielen Jahren Texte gelesen und am 

Karfreitag das schwere Kreuz in die Mitte getragen. Wenn etwas 

zu tun war, auf ihn war stets Verlass. 

Sein Tod am 10. Februar bestürzt uns sehr.

 

Sepp Franz, Pfr.

 

 

 

 

 

herr

wie viele zahlen muss ich noch lernen 

bis zu deiner ankunft?

siehe - ich warte nicht - ich bete

so lass mich beides sein

bürger und wanderer

suchender und gesuchter

denn nur suchende sehen

und nur gesuchte finden

 

SAID

 

 



Aktuelles

PGR-Wahl

Für Sonntag, den 20. März 2022, hat die Diözese Feldkirch 

Pfarrgemeinderatswahlen vorgeschlagen. Sie sind ja in einem Rhythmus von fünf Jahren gedacht.

Wegen der Pandemie haben wir uns nicht daran beteiligt.

Wir haben die Wahl auf den Sommer verlegt.

Unsere Christengemeinde ist angewiesen auf solche, die sich 

bereit erklären, in ihren Möglichkeiten mitzumachen. Ich lade 

jeden und jede von Herzen ein. Es ist ein Dienst an der Gemeinschaft, der Hoffnung und Zukunft atmet; in Zeiten wie diesen 

eigentlich sehr wichtig.

Sepp Franz, Pfr.

 

Wie schön, dass du geboren bist ...

Unser Pfarrer Sepp Franz feiert heuer seinen 80. Geburtstag. 

Seit vielen Jahrzehnten arbeitet und lebt er hier mit uns in Fußach. Unzählige Kinder hat er getauft, ihnen das erste Mal das Heilige Brot in die Hände gelegt und sie mit Süßem an der Tür des Pastoralhauses verwöhnt. 

Firmlinge und Brautpaare hat er begleitet und steht der Tod ins Haus, verabschiedet er die Menschen in ganz besonders achtsamer und inniger Art und Weise. 

Den sonntäglichen Gottesdienst prägt Pfarrer Sepp Franz von jeher durch sein großzügiges Willkommen, für alle, die da sind, durch seine wohlüberlegten Worte bei der Predigt und durch seine Liebe zur Musik.

Seinen Ehrentag wollen wir am 1. Mai nach dem 10 Uhr Gottesdienst gebührend feiern und am Abend um 19 Uhr laden wir herzlich zum Kulturpunkt mit Julia Lacherstorfer ein. Sie wird mit ihrem 

Solo-Debüt »Spinnerin - a female narrative« bei uns zu Gast sein.

Sonntag, 1. Mai 2022 um 19 Uhr in der Pfarrkirche Fußach, 

mit anschließendem Umtrunk. Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

 

Gabriele Napetschnig, im Namen der Pfarrgemeinde

 

 

 

 

 

 

Fäden

 

Zerfranstes Licht

aus leisen Strichen

Klee abgehorcht

 

Fäden

deren Gewicht

die Wimpern tragen

 

Rose Ausländer

 

 



Gottesdienstordnung

 

Palmsonntag 10. April um 10 Uhr

Wir beginnen den Gottesdienst auf dem Kirchplatz mit der Weihe der Palmzweige. Schüler und Schülerinnen der MMS Bergmannstraße unter Michael Jagg werden musikalisch begleiten. 

Der Kinderliturgiekreis gestaltet das Gewänderritual.

Als am Tag darauf die große Volksmenge, die zum Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem komme, nahmen sie die Palmzweige und zogen hinaus, ihn zu empfangen. Joh 12,12–13 

 

Dienstag 12. April um 19 Uhr

Einstimmung auf Ostern mit Texten, Stille und Musik

 

Gründonnerstag 14. April um 19 Uhr

Abendmahlsliturgie mit dem Chor St.Nikolaus

Der Herr, Jesus, nahm in der Nacht, da er ausgeliefert wurde, Brot, dankte, brach es und sprach: Dies ist mein Leib für euch. Das tut zu meinem Gedächtnis. 

1 Kor 11,23–24 

 

Karfreitag 15. April

um 15 Uhr - Erinnerung an die Todesstunde Jesu, Eltern und Kinder sind besonders eingeladen

um 19 Uhr - Karfreitagsliturgie mit dem Chor St.Nikolaus

Und sie kreuzigen ihn und teilen seine Kleider unter sich. Mk 15,24

 

Karsamstag Osternacht, 16. April um 20 Uhr

Lichtfeier auf dem Kirchplatz, danach Osterliturgie in der Kirche

Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist  auferweckt worden. Lk 24,5–6 

 

Ostersonntag 17. April um 10 Uhr

Eucharistiefeier mit dem Chor St.Nikolaus

 

Ostermontag 18. April um 10 Uhr

Eucharistiefeier mit Damian Keller, Akkordeon

Da wurden ihnen die Augen aufgetan, und sie erkannten ihn. Lk 24,31

 

Erstkommunion am 6. Sonntag der Osterzeit, 22.  Mai um 10 Uhr

 

Firmung am 11. und 12. Juni jeweils um 10 Uhr

 

 

 

 

 

 

Am ersten Tag der Woche kommt Maria aus Magdala frühmorgens noch in der Dunkelheit zum Grab und sieht, dass der Stein vom Grab weggenommen ist. 

Joh 20,1