Grenzland

Am 8. Dezember 1991 wird der Zerfall der Sowjetunion im Vertrag von Minsk beurkundet. Tiefgreifende Verwerfungen sind die Folge, auch in der Ukraine. Große Teile der Bevölkerung tendieren in Richtung Westen, die östlichen Regionen fühlen sich mit Russland verbunden. 

Allen aber ist gemeinsam: 

Sie möchten aufbrechen in eine bessere Zukunft. Die orange Revolution scheitert schließlich und hinterlässt eine tiefe Kluft zwischen dem Osten und dem Westen in der Ukraine.

Und nun: Krieg.

Mütter mit ihren Kindern fliehen in angrenzende Länder, ihre Männer bleiben zurück, um für die Freiheit ihres Landes zu kämpfen, zu sterben.

Nach UNO-Angaben sind inzwischen bereits rund zehn Millionen Menschen in die Flucht getrieben worden. In Lwiw, einer Stadt im Westen der Ukraine, stehen fein säuberlich aufgereiht 109 Kinderwagen und Buggys auf dem Marktplatz - das Mahnmal soll den Menschen einen Ort zum Trauern geben. 

Eine Zeitenwende.

Auch bei uns in Fußach sind schon Mütter aus der Ukraine, die ihr Kind in die Schule bringen. Sie werden die Sprache lernen und versuchen, mit der Sehnsucht, mit dem Heimweh umzugehen.

Wir wissen alle nicht, wie es nun weitergehen wird, ob sich ein neuer eiserner Vorhang durch Europa ziehen wird ... 

Das aber wissen wir, wie Paul Celan geschrieben hat: 

Einmal, ... da wusch er die Welt.

Sepp Franz, Pfr.

 

 

Einmal,

da hörte ich ihn,

da wusch er die Welt,

ungesehn, nachtlang,

wirklich.

 

Eins und Unendlich,

vernichtet,

ichten.

 

Licht war. Rettung

 

Paul Celan