Neues aus dem Pastoralhaus

Mit diesen Zeilen grüßen wir alle ganz herzlich, die sich unserer Christengemeinde Fußach verbunden wissen. Die derzeitige Situation in der Welt, in der großen Kirche, in unseren kleinen Gemeinschaften drängt uns zu diesem Brief.

Eine junge Frau schreibt: »Da die kirchlichen Osterfeierlichkeiten ja heuer leider ausfallen, wollte ich fragen, ob es eventuell eine Möglichkeit gibt, die Speisen und Osternester segnen zu lassen«. »In der Kirche gibt es sie leider nicht«, hab ich ihr geantwortet. »Ihr segnet euer Kind, so könnt ihr natürlich auch eure Speisen segnen. Versucht es einfach«.

Gottesdienste werden per Radio oder Fernsehen übertragen, manche als »Konserven«, andere live.
Die Kirchen selber: Leer.
Tief eingegrabene Traditionen im Kirchenjahr sind plötzlich nicht mehr da: Die Palmbuschen der Pfadfinder oder die Olivenzweige am Palmsonntag auf dem Kirchplatz. Der Pfarrer hat sie gesegnet und viele haben sie daheim hinter‘s Kreuz gesteckt, damit der Segen übers Jahr im Haus bleibt.

In der Kirche werden wir auch in der Karwoche keinen Gottesdienst feiern. Die hohe Woche der Christenheit werden wir ohne Leidensgeschichte am Karfreitag und ohne das Feuer in der Osternacht begehen. Auch unseren Chor St. Nikolaus werden wir nicht hören. In der Kirche wird der Kinderliturgiekreis vielleicht einiges sichtbar machen. Der Kirchenraum bleibt in seiner Stille wie ein wertvoller Rückzugsraum geschmückt und offen.

Aber: Sehr vieles wird uns natürlich fehlen.
Wir werden es nicht mehr dort finden, wo es durch Jahrhunderte gefeiert worden ist.
Denkt nicht an das, was früher war, und was vormals
war - kümmert euch nicht darum.
Seht, ich schaffe Neues, schon sprießt es, erkennt ihr es nicht? Ja, durch die Wüste lege ich einen Weg und Flüsse durch die Einöde.
Jes 43,18–19

Dieses Wort aus dem Buch Jesaja leitet uns.
Wir hören darin das Vertrauen aus Jahrtausenden. Vielen in unseren Gemeinschaften ist es schon eigen. Wir wissen ja um unsere Geborgenheit, um die unserer Familien, unserer Mütter und Väter und Kinder. Wir wissen auch um die Kraft, die in einem tastenden Glauben liegt.

Es ist nun ein erster Brief, den wir Euch schreiben.
In Tagen wie diesen eine kleine Möglichkeit, in Kontakt
zu bleiben.
Wir wünschen Euch allen Segen in diese Tage der
Hohen Woche, der Karwoche.

Herzlich,
im Namen des Pastoralteams,
Sepp Franz 
Gabriele Napetschnig
Barbara Piringer
Roswitha Rosenstein
Elisabeth Schwendinger

Schließ auf das Ostertor mit der Schlüsselblume

Jenseits

teilt sich das Meer

mit Schneehänden

pflücken wir Salz

ziehn in die Wüste

wo Sonne das Mannabrot bäckt

 

Rose Ausländer