Palmsonntag


Mt

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EINFÜHRUNG

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Im Stephansdom in Wien ist der barocke Hochaltar während der Fastenzeit mit einem 80 Quadratmeter großen violetten Strickpullover bekleidet; der Künstler Erwin Wurm wollte damit einen Hinweis auf die »Priorität wärmender Nächstenliebe in der Zeit der Vorbereitung auf Ostern« geben.

Nun ist der Strickpullover – nicht geplant – auch zum wärmenden Symbol für alle geworden, die in dieser Corona-Zeit besonders getroffen sind.

Und das sind ja nicht wenige. 

Erstmals seit 1945 sind in Österreich mehr als eine halbe Million ohne Arbeit. Unzählige sorgen sich um ihren Arbeitsplatz. Kurzarbeit, Stellenabbau, Einstellung des Betriebs – viele müssen damit zurechtkommen. Die Kälte über eine ungewisse Zukunft auch für die Kinder plagt Väter und Mütter,

ins besonders Alleinerziehende. 

Wie wohl wird es weitergehen? Was macht Corona mit uns, mit unserem Miteinander, mit den alten Menschen, mit den Kranken? Der wärmende Pullover. Am Palmsonntag werden, d.h. wurden, auf dem Kirchplatz bei uns immer Olivenzweige gesegnet. Wir haben sie mit in die Wohnung genommen und hinter’s Kreuz gestellt, damit der Segen daheim sei. Die Wärme der inneren Beheimatung sollte sichtbar sein. 

In diesem Jahr kann das nicht geschehen. 

Was tun? Den Segen brauchen wir ja nicht nur in dieser so unruhigen Zeit. »Not lehrt beten«, heisst ein Sprichwort. Not lehrt auch Neues. Die Kraft

des Segens liegt in jedem, der [die] auf Jesus baut. So werden im Vertrauen darauf viele unter uns ihre Oliven- oder Thuyazweige zuhause zurechtschneiden und mit ihren guten Segenswünschen hinter’s Kreuz binden. 

Eine riesige Menschenmenge hatte auf dem Weg ihre  

Kleider ausgebreitet, einige schnitten Zweige von den 

Bäumen und breiteten sie auf dem Weg aus [Mt 21,8].

Damit wird die Karwoche eröffnet, mit der Freude, dass Jesus nun einzieht in Jerusalem.

Sepp Franz

 

© Dompfarre St. Stephan - Fastentuch 2020 von Erwin Wurm   

 

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BIBELTEXT

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aus dem Evangelium nach Matthäus                                                                                                                                                                   21,1–11

1 Als sie sich Jerusalem näherten und gegen Betfage zum Ölberg kamen, da sandte Jesus zwei Jünger 2 und sagte zu ihnen: 

Geht in das Dorf da euch gegenüber. Und gleich findet ihr eine Eselin angebunden und bei ihr ein Füllen. Macht sie los und führt sie zu mir her. 

3 Und spricht einer etwas zu euch, so sagt: Ihr Herr braucht sie, wird sie aber gleich wieder zurücksenden. 4 Das ist geschehen, damit erfüllt werde das durch den Propheten Gesprochene, der sagt: 5 Sprecht zur Tochter Zion: Da! Dein König kommt zu dir, sanft und einen Esel reitend, ein Füllen gar, eines Jochtiers Junges. 

6 Die Jünger gingen und taten, wie Jesus ihnen aufgetragen hatte. 7 Sie führten die Eselin und das Füllen, legten die Obergewänder auf sie, und er setzte sich obendrauf. 8 Die Menge der Leute aber breitete ihre Obergewänder auf den Weg. Andere schnitten Zweige von den Bäumen und breiteten sie auf den Weg. 9 Die Scharen aber, die ihm voranzogen und die folgten, schrien und sagten: Hosanna dem Sohn Davids! Gepriesen, der kommt im Namen des Herrn! Hosanna in den Höhen! 

10 Und als er in Jerusalem einzog, erbebte die ganze Stadt und fragte: Wer ist dieser?  

11 Die Scharen sagten: Das ist der Prophet Jesus, der von Nazaret in Galiläa.

Fridolin Stier

 

  

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NOTIZEN

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Palmsonntag – 5. April 2020

Ausnahmezustand

Zur Karwoche

Wegen Sars–CoV–2 sind alle Gottesdienste abgesagt.

In der Kirche werden wir keinen Gottesdienst feiern. 

Die hohe Woche der Christenheit werden wir ohne Leidensgeschichte am Karfreitag und ohne das Feuer in der Osternacht begehen. 

Auch unseren Chor St. Nikolaus werden wir nicht hören. 

In der Kirche wird der Kinderliturgiekreis vielleicht einiges sichtbar machen. 

Der Kirchenraum bleibt in seiner Stille wie ein wertvoller Rückzugsraum geschmückt und offen. 

Wir haben ein Pult bei den Gabentischchen aufgestellt:

Das Lektionar 'Sonntagsgottesdienste' aufgelegt,

einen Text zum Palmsonntag kopiert, 

Kommentar beigelegt.

Wer das mitnehmen mag: Gerne.

Zeit der Hauskirche.

Kinderliturgiekreis: »Einzug nach Jerusalem«