Ostersonntag


Schrifttexte

 

aus dem Brief an die Gemeinde von Kolossä          3,1–4

Die Ausrichtung des neuen Lebens

1 Seid ihr nun mit Christus auferweckt worden, so sucht nach dem, was oben ist, dort, wo Christus ist, zur Rechten Gottes sitzend.

2 Trachtet nach dem, was oben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.

3 Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott.

4 Wenn Christus, euer Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit.

Zürcher Bibel

 

aus dem Evangelium nach Johannes                                    20,1–10

Das leere Grab

1 Am ersten Tag der Woche kommt Maria aus Magdala frühmorgens noch in der Dunkelheit zum Grab und sieht, dass der Stein vom Grab weggenommen ist.

2 Da eilt sie fort und kommt zu Simon Petrus und zu dem anderen Jünger, den Jesus lieb hatte, und sagt zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab genommen, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben.

3 Da brachen Petrus und der andere Jünger auf und gingen zum Grab.

4 Die beiden liefen miteinander; doch der andere Jünger lief voraus, war schneller als Petrus und kam als Erster zum Grab.

5 Und als er sich vorbeugt, sieht er die Leinenbinden daliegen; er ging aber nicht hinein.

6 Nun kommt auch Simon Petrus, der ihm folgt, und er ging in das Grab hinein. Er sieht die Leinenbinden daliegen

7 und das Schweisstuch, das auf seinem Haupt gelegen hatte; es lag nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengerollt an einem Ort für sich.

8 Darauf ging nun auch der andere Jünger, der als Erster zum Grab gekommen war, hinein; und er sah, und darum glaubte er.

9 Denn noch hatten sie die Schrift, dass er von den Toten auferstehen müsse, nicht verstanden.

10 Dann kehrten die Jünger wieder zu den anderen zurück.

Zürcher Bibel

 

 

 

Ostersonntag, 4. April 2021

 

Wir hätten die Osternacht gestern so gerne am Kirchplatz gefeiert. Aber es war zu kalt.

In Deutschland hängt der Präsenzunterricht wieder am seidenen Faden.

Corona beutelt hin und her und bringt auch solche auf die Straßen, die gar nicht einverstanden sind mit den Maßnahmen, die auferlegt werden. So auch Jugendliche in St. Gallen. Ausnahmezustand allerorten und noch kein Ende in Sicht.

 

Kolossä

Der erste Text heute an die Gemeinde in Kolossä. Ein Paulusschüler hat wohl den Brief geschrieben. Kolossä ist ein Ort an einer wichtigen Handelsstraße in Phrygien, Kleinasien. Paulus selbst hat die Gemeinde nicht gegründet, sie wahrscheinlich auch nicht besuchen können. ‚Trachtet nach dem, was oben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist‘. So lesen wir heute am Ostersonntag 2021. Der berühmte Astrophysiker Stephen Hawking hat Ähnliches geschrieben: ‚Also vergesst nicht, hoch zu den Sternen zu blicken und nicht auf eure Füße‘.

Die Bäume setzen Knospen an. Die Grünmulden werden wieder geöffnet und Kinder pflücken die ersten Löwenzahnsträuße. Es gibt auch heuer Gründe genug, mit den blühenden Magnolien der Freude die Tür zu öffnen. Die schlechten Nachrichten, die täglich einsickern, könnten all dieses Erfreuliche leicht ersticken. Die Christengemeinde in Kolossä hat das sicher auch gekannt, ihr Alltag war nicht so rosig, aber sie hört im Brief das Wort: ‚Trachtet nach dem, was oben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist‘. Sich darauf einlassen, ein zutiefst österliches Verhalten.

 

Johannes

Der zweite Text aus dem Johannesevangelium. Es ist schon sehr erstaunlich, dass die Redaktion ein derartig filigranes Geschichtennetz gut 60 Jahre nach dem Tod von Jesus erzählt. Was sich da alles am Grab abgespielt hat!? Wer schneller gelaufen ist und dass er sich vorgebeugt hat, aber nicht hineingegangen ist. Der Platz, an dem das Schweisstuch gelegen hat, die Leinenbinden zusammengerollt. Kann man sich an so was Jahrzehnte danach noch erinnern? In solcher Detailgewissheit? Die Fragen stehen, werden aber nicht beantwortet. Sollte der Text gerade auf die Fragen hinweisen? Manche sagen: Das Langzeitgedächtnis wird im Alter besser, während das Kurzzeitgedächtnis schwächer wird. Bisweilen freut das nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Kinder oder die Enkel. 

Ob das bei den Johannesgemeinden auch der Fall gewesen ist?

Die erste Frage aller Christengemeinden war natürlich: Was heißt das, von den Toten auferstehen? Dass sie auferwecken, auferstehen, erwecken oder erscheinen nicht verstanden haben, sagt der Evangelist ausdrücklich. Allerdings bemerkt er auch, dass es um das Glauben geht: Ein fundamentaler Grundsatz der Christengemeinschaften aller Generationen. Auch heute. Darin findet sich das Wort vom anderen Jünger, der als Erster zum Grab gekommen war, auch er ging hinein:

Und er sah, und darum glaubte er.

Sepp Franz

 

 

 

Notizen

 

Morgen am Ostermontag im 10-Uhr Gottesdienst wird Damian Keller auf dem Akkordeon musikalisch begleiten.

 

Am Donnerstag ist Taufgespräch für jene, die ihr Kind nächstens taufen lassen möchten: Donnerstag 19 Uhr im Pastoralhaus.

Am Freitag um 15.30 Uhr wird der kleine Jonathan getauft

und am Samstag um 14 Uhr der kleine Johan.

 

Das in der Osternacht geweihte Wasser steht diese Woche noch vor der Osterkerze in der Kirche;

wer davon mit nach Hause nehmen möchte, mag das gerne tun.