5. Fastensonntag


Ez  37,12–14 

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EINFÜHRUNG

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Einfach da sein. 

Freund. Freundin.

Halt den Tisch bereit und schön

und den Blick auf der Schwelle

in wachem Schweigen

einfach um da zu sein

wenn das Licht

wieder 

da ist

und sich selbst zum Mahle einlädt 

versuche es sehr gut zu empfangen

ohne den Wein abzumessen

ohne das Brot abzuwägen

tu alles, wie es sich ziemt 

und lasse alles 

einfach um da zu sein 

 

(pour etre là) Pater Christoph

aus: Iso Bauer, aus: Die Mönche von Tibherine,  Verlag Neue Stadt

 

Mit dieser stillen Einladung, herzlich willkommen. 

Weiße Tulpen in blühenden Rosmarinzweigen schmücken unsere Kirche. Auf dem Lesepult sind die biblischen Texte aufgeschlagen, die heute vom Öffnen der Gräber erzählen, von der Kraft der Liebe, die zu neuem Leben erweckt. 

Die Musikerinnen Ilona Wörnhör und Susanne Kanonier hatten wir zu diesem Sonntag eingeladen und so dürfen wir Ihnen ein Lied auf diesem Weg zu Gehör bringen.

https://soundcloud.com/user-154079097/valentinas-down-by-the-sally-gardens-mp3

 

Auch an diesem 5. Fastensonntag bleiben alle Versammlungsorte geschlossen, unser Leben muss sich auf ein kleineres Maß an Bewegung,

auf Rückzug in private Räume, auf Verlust und große Unsicherheiten einstellen. Geduld, Toleranz und Phantasie sind notwendig um uns an neue Formen des miteinander Sprechen und Teilen zu gewöhnen, gewünschte Nähe in reichlich Abstand zu pflegen.

»Ich mag nix mehr von dem Corona hören«, sagt Viktoria ihrer Oma am Telefon.

Wir suchen nach Geschichten, die gut tun, merken, dass die Angst ein schlechter Berater ist und wie notwendig wir die Freude brauchen und das miteinander Lebendigsein. 

Es sind zwei eindrückliche Bilder, die uns heute in den biblischen Texten von Ezechiel und Johannes begegnen.

Ezechiel, Sohn eines Priesters, gehört zu den großen Schriftpropheten des Alten Testaments.

Er gehört zu den Verschleppten in Mesopotamien, die um den Verlust der äußeren und inneren Heimat trauern. Sein Traum von der Auferweckung

der Gebeine soll seine Gemeinde trösten und an die Rückkehr Gottes erinnern. »Seht; ich öffne eure Gräber und ... ich werde meinen Geist in euch legen und ihr werdet leben …« Im 6. Jahrhundert vor Christus ist sein Buch entstanden. Seine Visionen haben das große Gedächtnis der jüdisch und christlichen Gemeinden tief geprägt, in unzähligen Bildern und Skulpturen wider-gegeben. »Wenn ich eure Gräber öffne, daran werdet ihr erkennen, dass ICH es bin.« Er fügt alles zusammen, was getrennt war. Daran werden sie IHN erkennen. 

Und an die Geschichte, von der uns Johannes heute erzählt, ist wohl Vielen Lazarus, der mit Leinenbinden eingehüllt aus dem Grab herauskommt,

in Erinnerung geblieben. Die beiden Schwestern Martha und Maria haben ein ungebrochenes Vertrauen in Jesus. Johannes lässt das große Glaubensbekenntnis der ersten Christengemeinden in dieser Begegnung hörbar werden. Marta sagt: »Jetzt glaube ich, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommt.« Aber dann verliert die Erzählung ihre Strenge. Das Weinen der Trauernden und das Weinen Jesu kommt ins Bild. Jesus sieht ihre Trauer und weint. »Seht, wie lieb er ihn gehabt hat« - Wenn wir die Erzählung zu Ende lesen, hören wir das laute »Lazarus, komm heraus«. Sie endet mit der Aufforderung: »Befreit ihn und lasst ihn gehen«.

Es ist unsere Geschichte. Sie meint Dich und mich. Wir sind mit der Kraft der Liebe ausgestattet, haben teil an diesem lebendigen Prinzip

des Lebens -  ZOE, wie es im Griechischen auch heisst. Wir dürfen darauf hoffen und glauben, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, nicht die letzte Wirklichkeit ist. Dass die Liebe uns auch hier und heute aufstehen lässt und uns befreien kann, daran dürfen wir erinnern

und es mitnehmen in diese schwierigen Tage.  

Elisabeth Schwendinger

 

 

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BIBELTEXTE

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Lesung aus dem Buch Ezechiel                                                                                                                                                                         37,12–14 

12 Darum weissage und sprich zu ihnen: 

So spricht Gott der HERR: 

Seht, ich öffne eure Gräber, 

und ich lasse euch, mein Volk, 

aus euren Gräbern steigen

und bringe euch auf Israels Boden.

13 Und ihr werdet erkennen, dass ich der HERR bin, 

wenn ich eure Gräber öffne 

und euch, mein Volk, 

aus euren Gräbern steigen lasse.

14 Und ich werde meinen Geist in euch legen, 

und ihr werdet leben, 

und ich werde euch auf euren Boden bringen, 

und ihr werdet erkennen, 

dass ich der HERR bin. 

Ich habe gesprochen, und ich werde es tun! 

Spruch des HERRN.

Zürcher Bibel

 

 

aus dem Evangelium nach Johannes                                                                                                                                              11,3–7.20–27.33–45 

3 Da sandten die Schwestern zu ihm und ließen sagen: Herr, der, den du lieb hast, ist krank. 4 Als Jesus das hörte, sprach er: Diese Krankheit führt nicht zum Tod, sondern dient der Verherrlichung Gottes; durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden. 5 Jesus liebte Marta und ihre Schwester und Lazarus. 6 Als er nun hörte, dass dieser krank sei, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er war. 7 Danach, als diese Zeit vorüber war, sagt er zu den Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa gehen! 

 

20 Marta nun, als sie hörte, dass Jesus komme, ging ihm entgegen. Maria aber saß zu Hause. 21 Da sagte Marta zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, so wäre mein Bruder nicht gestorben. 22 Aber auch jetzt weiß ich: Alles, was du von Gott erbitten wirst, wird Gott dir geben. 23 Jesus sagt zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. 24 Marta sagt zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird in der Auferstehung am Jüngsten Tag. 25 Jesus sagte zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, 26 und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Glaubst du das? 27 Sie sagt zu ihm: Ja, Herr, jetzt glaube ich, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommt. 

 

33 Als Jesus nun sah, wie sie weinte und wie auch die Juden, die mit ihr gekommen waren, weinten, war er im Innersten empört und erschüttert 34 und sprach: Wo habt ihr ihn hingelegt? Sie sagen zu ihm: Herr, komm und sieh! 35 Jesus weinte. 36 Da sagten die Juden: Seht, wie lieb er ihn gehabt hat! 37 Einige von ihnen aber sagten: Konnte er, der dem Blinden die Augen aufgetan hat, nicht auch machen, dass dieser nicht stirbt? 38 Jesus nun, von neuem zutiefst empört, kommt zum Grab. Es war eine Höhle, und davor lag ein Stein. 39 Jesus spricht: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, sagt zu ihm: Herr, er stinkt schon, denn er ist vier Tage tot. 40 Jesus sagt zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen? 41 Da nahmen sie den Stein weg. Jesus aber hob seine Augen auf und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. 42 Ich wusste, dass du mich allezeit erhörst, jedoch um des Volkes willen, das da ringsum steht, habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast. 43 Und als er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! 44 Der Tote kam heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch bedeckt. Jesus sagt zu ihnen: Befreit ihn und lasst ihn gehen!

 

Der Todesbeschluss des Hohen Rates

 

45 Viele nun von den Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was er getan hatte, kamen zum Glauben an ihn. 

Zürcher Bibel 

 

 

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NOTIZEN

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5. Fastensonntag – 29. März 2020

Ausnahmezustand

Wegen Covid-19 sind alle Gottesdienste vorerst bis zum 13. April abgesagt.

 

Wir haben ein Pult bei den Gabentischchen aufgestellt:

o    Das Lektionar 'Sonntagsgottesdienste' aufgelegt.

o    Die Texte zum 5. Fastensonntag kopiert,

      einen Kommentar beigelegt.

 

Am nächsten Sonntag – Palmsonntag. Auch die Segnung der Palmzweige entfällt. Allerdings ist damit natürlich die Möglichkeit ganz nahe, dass das Ritual der Palmweihe zuhause gefeiert wird: Wenn Eltern Kinder segnen können, warum dann nicht auch Zweige. Und wenn ein Text vom Einzug Jesu in Jerusalem (die Texte werden in der Kirche aufliegen) dabei gelesen wird – Palmsonntag ist da.