30. Sonntag im Jahreskreis


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BIBELTEXTE

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Lesung aus dem Buch Exodus                                    22,20–26 

Schutz der Schwachen

 

20 Einen Fremden sollst du nicht bedrängen und nicht quälen, seid ihr doch selbst Fremde gewesen im Land Ägypten.

21 Eine Witwe oder eine Waise sollt ihr nicht erniedrigen.

22 Wenn du sie erniedrigst und sie zu mir schreien, werde ich ihr Schreien hören,

23 und mein Zorn wird entbrennen, und ich werde euch töten mit dem Schwert, so dass eure Frauen Witwen und eure Söhne Waisen werden.

24 Leihst du Geld dem Armen aus meinem Volk, der bei dir ist, so sei nicht wie ein Wucherer zu ihm. Ihr sollt ihm keinen Zins auferlegen.

25 Nimmst du den Mantel deines Nächsten zum Pfand, sollst du ihm diesen vor Sonnenuntergang zurückgeben.

26 Denn er ist seine einzige Decke, die Hülle für seine nackte Haut. Worin sonst soll er sich schlafen legen? Wenn er zu mir schreit, werde ich es hören; denn ich bin gnädig.

Zürcher Bibel

 

 

aus dem Evangelium nach Matthäus                        22,34–40

Zur Frage nach dem höchsten Gebot

34 Als aber die Pharisäer hörten, dass er die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, versammelten sie sich am selben Ort.

35 Und in der Absicht, ihn auf die Probe zu stellen, fragte ihn einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer:

36 Meister, welches Gebot ist das höchste im Gesetz?

37  Er sagte zu ihm:

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand.

38 Dies ist das höchste und erste Gebot.

39 Das zweite aber ist ihm gleich:  Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

40  An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.

Zürcher Bibel

 

 

 

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SONNTAG, 25. OKTOBER 

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Die Lesung aus dem Buch Exodus

Das Buch Exodus gehört zum Kernstück der jüdischen Überlieferung und wird auch 'fünf Bücher der Weisung', oder 'fünf Bücher Mose' genannt.

Darin findet sich das Gesetz, das der HEILIGE am Sinai Mose seinem geliebten und auserwählten Volk Israel übergeben hat. Es soll in Friede und Gerechtigkeit miteinander leben können. In diesem Buch wird SEINE Weisung beschrieben, darin finden wir auch diesen Abschnitt über den Schutz der Armen und Fremden, den wir gehört haben.

Einen Fremden sollst du nicht bedrängen und nicht quälen, seid ihr doch selbst Fremde gewesen im Land Ägypten. Ex 22,20

Die Witwen nicht ausnutzen, mit den Fremden gut umgehen … eine Forderung, die bis heute nicht an Aktualität eingebüßt hat. Wer dies nicht befolgt, muss mit SEINEM Zorn rechnen. ER wird hier als schützender, mitfühlender, empathischer, mit den Armen und Schwachen liebevoll umgehender Gott ins Bild gebracht.

Mit dieser Lehre ist Jesus aufgewachsen, sein Handeln, seine Rede, erzählt davon.

Sein Umgang mit Fremden, das Teilen mit den Armen, sein Mitgefühl und Erbarmen wird in vielen Erzählungen erfahrbar. Den Schriftgelehrten und Theologen, die von ihm gehört haben, war sein Handeln ein Dorn im Auge. Die Pharisäer und Sadduzäer, die damaligen Gesetzeslehrer und Theologen, sind aufgebracht über diesen herum-ziehenden Nazaräner, der die Menschen mit seinem Tun und Reden offensichtlich fasziniert und anzieht. So versuchen sie ihn immer wieder auf die Probe zu stellen, ob er das Gesetz befolgt oder dieses bricht. 

Heute haben wir das von Matthäus gehört. Er hat sein Evangelium um ca. 70 – 90 n.Chr. geschrieben und er selber kennt als judenchristlicher Lehrer diese Auseinandersetzungen in den Gemeinden. Matthäus kennt die Thora, die Gesetze, die heiligen Schriften, die auch das Leben Jesu geprägt haben.

Es gibt in der jüdischen Überlieferung die Mizwot, das Regelwerk, in dem die Gebote und Verbote verschriftlich sind. 613 an der Zahl. Aufgeteilt in 365 Verbote und 248 Gebote, entsprechend den Gliedern, die wir Menschen haben.

Was ist von all denen die wichtigste Weisung? Jesus bringt es so auf den Punkt:

die Gottesliebe und die Liebe zu unserem Nächsten – diese wiederum beinhaltet die Eigenliebe – ‚liebe den Nächsten wie dich selbst‘.

In allen Religionen finden wir das, die Liebe zu Gott muss sich in der Liebe zum Nächsten erweisen: in der Achtsamkeit, dem liebenden Erbarmen, dem Mitgefühl, in der tätigen Nächstenliebe.

Es gibt eine schöne muslimische Geschichte von Iblis, dem gefallenen Engel –

er ist einer, der von Gott erschaffenen Himmelswesen und weigert sich, auch den Menschen zu dienen, er will nur Gott dienen. Das geht nicht. So verliert er seinen Platz im Himmel. Dies soll allen Gläubigen gesagt sein.

Teresa von Ávila sagte einmal: ‚Ob wir Gott lieben, das kann man nicht wissen. Aber ob wir den Nächsten lieben, das merkt man‘.   

Elisabeth Schwendinger

 

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NOTIZEN

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Zur kommenden Woche:

Fritz Struber

Am 11. Dezember 1931 wird er in Kalwang in der Steiermark geboren. Am Freitagnachmittag um 14 Uhr halten wir den Bestattnisgottesdienst mit anschließender Urnenbeisetzung.

 

Corona.

Die Fallzahlen steigen auch bei uns rasant. So ist es äußerst schwierig, auf längere Sicht zu planen. Auf nächsten Sonntag fällt Allerheiligen mit Gottesdiensten um 8 und um 10 Uhr. Den Nachmittagsgottesdienst um 13.30 Uhr müssen wir absagen. Wir werden aber zur Erinnerung an unsere Verstorbenen die Glocken läuten.

 

Die Texte zum Sonntag liegen bei der Infotafel und beim Ausgang zum Friedhof auf. Wer mag, kann gerne davon mitnehmen.