28. Sonntag im Jahreskreis


Schrifttexte

aus dem Buch der Weisheit                                                 7,7–11

7 Deshalb betete ich,

und mir wurde Klugheit gegeben,

ich flehte,

und die Geistkraft der Weisheit kam zu mir.

8 Ich zog sie Zeptern und Thronen vor,

Reichtum achtete ich für nichts im Vergleich mit ihr.

9 Keinen noch so unschätzbaren Edelstein stellte ich ihr gleich,

denn alles Gold ist neben ihr nur ein bisschen Sand,

und Silber wird im Vergleich mit ihr wie Lehm eingeschätzt.

10 Ich liebte sie mehr als Gesundheit und Schönheit

und zog sie sogar dem Licht vor,

denn der Glanz, der von ihr ausgeht,

erlischt nicht. 

11 Zusammen mit ihr kamen aber alle Güter zu mir,

unermesslicher Reichtum war in ihren Händen.

Bibel in gerechter Sprache

 

 

aus dem Evangelium nach Markus                                         10,17–27

Nachfolge und Reichtum

17 Und als er sich auf den Weg machte, kam einer gelaufen und warf sich vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um ewiges Leben zu erben?

18 Jesus sagte zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott.

19 Du kennst die Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsches Zeugnis ablegen, du sollst niemanden berauben, ehre deinen Vater und deine Mutter.

20 Er sagte zu ihm: Meister, das alles habe ich befolgt von Jugend an.

21 Jesus blickte ihn an, gewann ihn lieb und sagte zu ihm: Eines fehlt dir. Geh, verkaufe, was du hast, und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir!

22 Der aber war entsetzt über dieses Wort und ging traurig fort; denn er hatte viele Güter.

23 Da blickt Jesus um sich und sagt zu seinen Jüngern: Wie schwer kommen doch die Begüterten ins Reich Gottes!

24 Die Jünger aber erschraken über seine Worte. Jesus aber sagte noch einmal zu ihnen: Kinder, wie schwer ist es, in das Reich Gottes zu kommen.

25 Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in das Reich Gottes.

26 Sie aber waren bestürzt und sagten zueinander: Ja, wer kann dann gerettet werden? 

27 Jesus blickt sie an und spricht: Bei Menschen ist es unmöglich, nicht aber bei Gott. Denn alles ist möglich bei Gott.

Zürcher Bibel

 

 

Sonntag, 10. Oktober 2021

 

Weisheit

Wer unter allen Sterblichen ist wirklich reich in dieser Welt?

Sind es die Kinder? Sind es jene, die ein hohes Alter erreichen?

Alle haben denselben Anfang und denselben Ausgang, Könige und Bettler.

Das Buch der Weisheit rätselt darüber.

Daher betete ich und es wurde mir Klugheit gegeben;

ich flehte und der Geist der Weisheit kam zu mir. Weish 7,7

Knapp vor Christi Geburt geschrieben, zählt das Buch in einigen Handschriften sogar zum Neuen Testament. Die Juden in Alexandria möchten ihr Erbe bewahren. Es soll in der Zeit des Durcheinanders nicht verloren gehen.

Manchmal meinen wir heute ja auch, dass Grundwerte unwiederbringlich verloren gehen. Wenn wir das schockierende Ergebnis der unabhängigen Untersuchungskommission in Frankreich zum Beispiel hören:

Bis zu 330.000 Minderjährige sind zwischen 1950 und 2020 Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche bzw. in von der Kirche betriebenen Einrichtungen in Frankreich geworden. 80 Prozent der Opfer seien Buben im Alter zwischen zehn und 13 Jahren gewesen, 20 Prozent Mädchen unterschiedlicher Altersgruppen.

Die Weisheit ist Gottes 'liebstes Kind'.

Hoffentlich lesen die Verantwortlichen das Buch der Weisheit:

Daher betete ich und es wurde mir Klugheit gegeben;

ich flehte und der Geist der Weisheit kam zu mir. Weish 7,7

Markus

Zwischen die beiden Themenblöcke: ‚Zur Frage der Ehescheidung‘ – am letzten Sonntag haben wir davon gehört – und ‚Nachfolge und Reichtum‘ heute hat Markus die Segnung der Kinder gesetzt. Als wollte er sagen: Sie müssen besonders behütet sein in allem Durcheinander, in allen auch heiklen Konflikten.

Sie sind in der Mitte. Wir wissen es ja.

Beim Erntedank am vergangenen Sonntag haben wir es ins Ritual gebracht.

Heute der so bekannte Satz aus dem 10. Kapitel:

Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr

als ein Reicher in das Reich Gottes. Mk 10,25

Die vielen Güter. Der Reichtum. Die Gesundheit, das Vertrauen, die Kraft, das Lachen, die Arbeit, die gelingende Nachbarschaft ... und vieles mehr.

Meist meinen wir, die Reichen zu kennen. Es gibt sogar jährlich neu aufgestellte Listen der Milliardäre. Und doch wissen wir: Der wahre Reichtum definiert sich nur sehr selten übers Geld.

In den Erzählungen der Chassidim gibt es eine kleine Anekdote dazu:

‚Rabbi, ich verstehe das nicht:

Kommt man zu einem Armen, der ist freundlich und hilft, wo er kann. Kommt man zu einem Reichen, der sieht einen nicht mal. Was ist das bloß mit dem Geld?‘

Da sagt der Rabbi:

‚Tritt ans Fenster! Was siehst du?‘

‚Ich sehe eine Frau mit einem Kind – und einen Wagen, der zum Markt fährt.‘

‚Gut‘, antwortet der Rabbi. ‚Und jetzt tritt vor den Spiegel. Was siehst du?‘

‚Nun, Rabbi, was werd ich sehen? Mich selbst.‘

‚Nun siehst du:

Das Fenster ist aus Glas gemacht, und der Spiegel ist aus Glas gemacht.

 

Man braucht bloß ein bisschen Silber dahinter zu legen, schon sieht man nur noch sich selbst.‘

aus den Erzählungen der Chassidim

 

 

Notizen

 

Am Samstag dieser Woche werden um 15.30h hier heiraten:

Alexander Mungenast aus Bregenz mit Nina Schneider, Fußach - Bungat.

 

Am nächsten Sonntag wird Pfarrer Elmar Simma den Gottesdienst um 10 Uhr leiten -

eine große Freude für uns alle.