Foto: aus der Ausstellung »ma-donna« von Gabriele Maria Lulay


25. Sonntag im Jahreskreis


------------------------

BIBELTEXTE

------------------------

 

Lesung aus dem Buch Jesaja                                                     55,6–9

6 Sucht den HERRN, da er sich finden lässt, ruft ihn, da er nahe ist!

7 Der Frevler verlasse seinen Weg und der Mann des Unheils seine Gedanken, und zum HERRN kehre er zurück, dann wird dieser sich seiner erbarmen, zu unserem Gott, denn er ist reich an Vergebung.

8 Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, Spruch des HERRN,

9 denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so viel höher sind meine Wege als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. 

Zürcher Bibel

 

 

aus dem Evangelium nach Matthäus                                     20,1–16

Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg

1 Denn mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsherrn, der am frühen Morgen ausging, um Arbeiter für seinen Weinberg einzustellen.

2 Nachdem er sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag geeinigt hatte, schickte er sie in seinen Weinberg.

3 Und als er um die dritte Stunde ausging, sah er andere ohne Arbeit auf dem Marktplatz stehen,

4 und er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in den Weinberg, und was recht ist, will ich euch geben.

5 Sie gingen hin. Wiederum ging er aus um die sechste und neunte Stunde und tat dasselbe.

6 Als er um die elfte Stunde ausging, fand er andere dastehen, und er sagte zu ihnen: Was steht ihr den ganzen Tag hier, ohne zu arbeiten?

7 Sie sagten zu ihm: Es hat uns niemand eingestellt. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in den Weinberg!

8 Es wurde Abend und der Herr des Weinbergs sagte zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den Letzten bis zu den Ersten.

9 Und als die von der elften Stunde kamen, erhielten sie jeder einen Denar.

10 Und als die Ersten kamen, meinten sie, dass sie mehr erhalten würden; und auch sie erhielten jeder einen Denar.

11 Als sie ihn erhalten hatten, beschwerten sie sich beim Gutsherrn

12 und sagten: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt, die wir die Last des Tages und die Hitze ertragen haben.

13 Er aber entgegnete einem von ihnen: Freund, ich tue dir nicht unrecht. Hast du dich nicht mit mir auf einen Denar geeinigt?

14 Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber diesem Letzten gleich viel geben wie dir.

15 Oder ist es mir etwa nicht erlaubt, mit dem, was mein ist, zu tun, was ich will? Machst du ein böses Gesicht, weil ich gütig bin?

16 So werden die Letzten Erste sein und die Ersten Letzte.

Zürcher Bibel

 

 

----------------------------------------------------

SONNTAG, 20. SEPTEMBER

----------------------------------------------------

 

»Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken

und eure Wege sind nicht meine Wege.«

Jesaja, der große Prophet schreibt diese Worte.

Der Name Jesaja bedeutet: Gott ist Heil, Hilfe ist in Jahwe.

Jesaja, der uns vertraut ist durch seine hoffnungsvollen Texte, die durch den Advent begleiten.

Ist auch in der Lesung des heutigen Sonntags  Hilfe, Rettung, Heil?

Ich werde von diesem Text gefordert – ich werde aufgefordert und ermutigt meine Gedanken, meine Wege, mein Gewohntes und Vertrautes mit anderen Augen zu sehen, zu denken, zu hören.

Und so oft erlebe ich, wie mich das Gewohnte und Vertraute träge, unbeweglich und blind sein lässt. Wie es mich dabei hindert, anders - besser - zu sehen, zu hören, zu handeln.

Nach den Worten des Jesaja lese ich den Text des Evangeliums neugierig, interessiert und doch auch befremdet.

»Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege«

Das begegnet mir auch in der Botschaft des Matthäus.

Ich lese, dass der, der nur eine Stunde arbeitet, gleich viel bezahlt bekommt wie der, der den ganzen Tag im Weinberg ist.

Mein Gerechtigkeitssinn rebelliert, ich versuche aber,

neue Zugänge und Sichtweisen zu finden.

1 Denar ist der Betrag, den ein Mensch braucht, um einen Tag leben zu können.

Dieser Betrag wird mit den Arbeitern der ersten Stunde vereinbart und diesen Betrag erhalten sie am Ende des Tages vom Herrn des Weinbergs.

Mit der Zeit wächst meine Achtung vor diesem Mann. Unermüdlich holt er die Menschen vom Marktplatz, vom Platz des Wartens, der Sorge, vom Platz des nicht gefragt Seins.

Er lässt sie den Lebensunterhalt selbst verdienen und holt sie so in die Würde.

Diese Bibelstelle lässt mich meine gewohnte Haltung zu Gerechtigkeit immer wieder neu denken, immer wieder neu sehen.

Dieser Text lässt mich auch die Sicherheit, die ich in diesem Teil der Welt erlebe, dankbar, auch mit Staunen wahr nehmen.

Diese Bibelstelle fordert mich auf, Gerechtigkeit auch als Solidarität zu sehen -

sie ermutigt mich, meine Gedanken und mein Tun zu überprüfen und immer wieder neu auszurichten -

meine Gedanken, Überzeugungen und Handlungen zu öffnen für das Göttliche.

Wozu möchten Sie sich ermutigen lassen?

Suchet Ihn, da er sich finden lässt!

Rufet ihn an, da er nah ist!

 

Ruth Sturm

 

------------------

NOTIZEN

------------------

 

Fritz Reinher, Höchster Straße 35

Am 9. Oktober 1949 wird er in Schruns geboren. Am 7. September 2020 stirbt er auf der Palliativstation in Hohenems. Am Mittwoch der vergangenen Woche haben wir ihn verabschiedet.

 

Corona bedingt feiern wir am nächsten Sonntag zwei Gottesdienste mit unseren Mädchen und Buben, die zur Firmung kommen: Um 9 und um 11 Uhr. Achtung: Die Gottesdienstzeiten verschieben sich. Dr. Christian Rutishauser vom Jesuitenorden wird die Firmung spenden. Die Freude darauf ist sehr groß. Zusätzlich aber feiern wir ausnahmsweise einen Vorabendgottesdienst am kommenden Samstag 26. September um 19Uhr. Damit könnten wir die Sonntagsgottesdienste entlasten.

 

Die Texte zum Sonntag und die Karten zum Kulturpunkt liegen bei der Infotafel und beim Ausgang zum Friedhof auf. Wer mag, kann gerne davon mitnehmen.