23. Sonntag im Jahreskreis


Schrifttexte

 

Lesung aus dem Buch Jesaja                                               35,4–7a

4 Sagt denen, die bestürzt sind:

Seid stark, fürchtet euch nicht! Seht, euer Gott!

Die Rache kommt, die Vergeltung Gottes, er selbst kommt, um euch zu retten.

5 Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet.

6 Dann wird der Lahme springen wie der Hirsch, und die Zunge des Stummen wird jubeln, denn in der Wüste brechen Wasser hervor und Flüsse in der Steppe.

7 Und die glühende Hitze wird zum Schilfteich, und aus dem Trockenland wird ein Land voller Quellen.

Zürcher Bibel

 

aus dem Evangelium nach Markus                                           7,31–37

Die Heilung eines Taubstummen

31 Und wieder kam er, als er das Gebiet von Tyrus verlassen hatte,

durch Sidon an den See von Galiläa mitten hinein in das Gebiet der Dekapolis.

32 Da bringen sie einen Taubstummen zu ihm und bitten ihn, ihm die Hand aufzulegen.

33 Und er nahm ihn beiseite, weg aus dem Gedränge, legte die Finger in seine Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel,

34 blickte auf zum Himmel und seufzte, und er sagt zu ihm:

Effata! Das heißt: Tu dich auf!

35 Und sogleich taten seine Ohren sich auf, und das Band seiner Zunge löste sich, und er konnte richtig reden.

36 Und er befahl ihnen, niemandem etwas zu sagen, doch je mehr er darauf bestand, desto mehr taten sie es kund.

37 Und sie waren völlig überwältigt und sagten:

Gut hat er alles gemacht, die Tauben macht er hören und die Stummen reden.

 

Zürcher Bibel

 

Sonntag, 5. September 2021

 

In Berlin haben gestern Tausende für Menschenrechte, Solidarität und soziale Gerechtigkeit demonstriert. Die Impfpflicht ist das Dauerthema in den letzten Tagen. Die FFP2-Maske wird für Krankenhaus-Besucher wieder vorgeschrieben. Und: Die Senderbrücke ist ab sofort gesperrt.

Damit werden heute die liturgischen Texte umrahmt.

Jesaja

Der heutige Lesungstext stammt aus dem sogenannten Protojesaja, wie man die ersten 39 Kapitel des Jesajabuches auch nennt. Man vermutet, dass das 35. Kapitel, aus dem wir hören, eigens geschrieben worden ist, um die beiden großen Teile des Jesajabuches zu verbinden, den Protojesaja und den Deuterojesaja.

Es ist ein Buch für die vom Leben Verletzten; für jene, die im Krieg geblieben sind, die ausgegrenzt wurden, denen das Dach auf den Kopf gefallen ist, und für jene, die ihre Heimat verloren haben, die sichtbare oder auch die verborgene; die das Licht in ihrem Tag verloren haben, die blind geworden sind für das heitere Lachen, für die bunten Farben des Lebens, blind für das gelingende Miteinander.

Für jene, die nicht mehr hören können auf das ständige Wispern der Hoffnung im Miteinander, die taub geworden sind für die guten Worte, für die leisen Töne der Aufmunterung.

Bei Jesaja heißt es:

Sagt denen, die bestürzt sind:

Seid stark, fürchtet euch nicht!

Seht, euer Gott! Jes 35,4

Dann werden die Augen der Blinden aufgetan

und die Ohren der Tauben geöffnet. Jes 35,5

Markus

Markus fügt die Geschichte vom Gehörlosen, der nicht reden kann, nahtlos an das Wort von Jesaja an .. im Gebiet der Zehn Städte, im Land der Heiden, weit entfernt von Jerusalem, von Tempel und Anbetung .. in der Welt von Militär, von Grenzposten, dort, wo die Schwachen keine Chance haben, in der Welt der kleinen und großen Geschäfte.

Viele sind blind.

Und viele sind taub.

Wir haben in den Tagen des Abzugs aus Afghanisten am Flughafen von Kabul die Dramatik der Blinden und der Tauben, der Übersehenen und Nichtgehörten ja überdeutlich miterlebt.

Da bringen sie einen Taubstummen zu ihm

und bitten ihn, ihm die Hand aufzulegen. Mk 7,32

Und sie waren völlig überwältigt und sagten:

Gut hat er alles gemacht,

die Tauben macht er hören und die Stummen reden. Mk 7,37

Und wenn wir selber blind sind und taub: Wir sind auf Jesus Christus getauft, auf seinen Weg.

Auf ihn, der sagt: Effata. Tu dich auf.

Das Wort, das heute so viele hören möchten:

Natürlich tragen wir diesen Wunsch auch ins neue Schuljahr – mit den Kindern und ihrem Weg.

Dass sie sehen lernen, dass sie sehend werden, dass sie richtig reden lernen, dass sie hörend werden.

 

Und selbstverständlich halten wir dieses Wort behutsam wie einen Schatz in uns, damit er nicht verloren geht im Getriebe der unzähligen Worte, die so leicht das Gehör zerschlagen und die Augen blind machen.

 

Sepp Franz

 

Notizen


 

Im 10 Uhr Gottesdienst am nächsten Sonntag erinnern wir an Fritz Reinher. Er ist am 7. September vor einem Jahr gestorben.

 

Heute Nachmittag um 14 Uhr werden vier Kinder getauft:

    Magdalena L-H., Hörbranz

    Anna G., Riedle 30

    Aivy F., Bundesstraße 41

    Oliver Wi., Lauterach

Drei Mädchen und zwei Buben.