Foto: über den Dächern von Jerusalem


2. Sonntag der Osterzeit


Joh

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EINFÜHRUNG

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,Zum ersten Mal SEIN Brot in deiner Hand, wie damals in meiner'.
So oder ähnlich klingt es seit Jahrhunderten durch diesen Sonntag.
Heuer nicht.
Die Buben und Mädchen müssen warten. Wie alle.
,Wir haben den Herrn gesehen', sagen sie zu Thomas, dem Zweifelnden.
Mundschutzmasken bestimmen die Themen dieser Tage.
Gottesdienste ohne Volk, aus dem Radio oder im Fernsehen, auf YouTube oder
in anderen Medien, versuchen den Geschmack danach nicht versiegen zu lassen.
Und trotzdem:
,Wie bin ich froh, mein Kind, 
dass dieses Brot nun mit dir geht. 
Brot für den Weg. 
Brot auf dem Weg. 
Durch Wasser und Wüste, 
durch Feuer und Sturm, 
bis ans Ende der Welt'.
Sepp Franz

 

Brotzeiten

Nicht immer lag ein Brot auf meinem Tisch.
Brotholen war ein Fest.
Wie eine Sonne trug ich als Kind
den braunen Laib an meinem Herzen.

Nicht immer saß ein Freund an meinem Tisch.
Seit du mit mir das Fest des Hungers teilst,
spür ich die Wärme dunkler Kindersonnen wieder.
Christine Busta

 

 

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BIBELTEXT

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aus dem Evangelium nach Johannes                                                                                                                                                              20,19-31 
19 Es war am Abend eben jenes ersten Wochentages - die Jünger hatten dort, wo sie waren, die Türen aus Furcht vor den Juden verschlossen -, da kam Jesus und trat in ihre Mitte, und er sagt zu ihnen: Friede sei mit euch! 
20 Und nachdem er dies gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und die Seite; da freuten sich die Jünger, weil sie den Herrn sahen. 
21 Da sagte Jesus noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. 
22 Und nachdem er dies gesagt hatte, hauchte er sie an, und er sagt zu ihnen: Heiligen Geist sollt ihr empfangen! 23 Wem immer ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr sie festhaltet, dem sind sie festgehalten. 
24 Thomas aber, einer der Zwölf, der auch Didymus genannt wird, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. 
25 Da sagten die anderen Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sagte zu ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und nicht meinen Finger in das Mal der Nägel und meine Hand in seine Seite legen kann, werde ich nicht glauben. 
26 Nach acht Tagen waren seine Jünger wieder drinnen, und Thomas war mit ihnen. Jesus kam, obwohl die Türen verschlossen waren, und er trat in ihre Mitte und sprach: Friede sei mit euch! 
27 Dann sagt er zu Thomas: 
Leg deinen Finger hierher und schau meine Hände an, und streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! 
28 Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott! 
29 Jesus sagt zu ihm: Du glaubst, weil du mich gesehen hast. Selig, die nicht mehr sehen und glauben!
30 Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind. 
31 Diese hier aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und dadurch, dass ihr glaubt, Leben habt in seinem Namen. 
Zürcher Bibel

 

 

 

Johann Sebastian Bach, Andante Cantabile, Orgel

(falls zur Auswahl: Listen in browser, ansonsten einfach den weißen Pfeil anklicken)

Orgel & Aufnahme: Armin Kölbl

 

 

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SONNTAG DER GÖTTLICHEN BARMHERZIGKEIT
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Im Jahre 2000 hat Papst Johannes Paul II dem 2. Sonntag in der Osterzeit diese Bedeutung gegeben.
Barmherzigkeit: ein Wort, das wir heutzutage selten benutzen. Erbarmen ist darin enthalten. Herr, erbarme dich! Das Herz steht in der Mitte des Wortes. Es geht also um Herzensgüte, um Milde, um Nachsicht.
Barmherzigkeit: wir können es auch übersetzen mit Humanität, mit Menschlichkeit. Wenn wir human sind, dann achten wir die Menschenwürde. Und damit wird der Begriff sehr aktuell.
Die UN Vollversammlung hat bereits 1948 die Menschenwürde in ihre Menschenrechts Charta aufgenommen: »Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.« Wenn wir barmherzig sind, so sind wir auch mitfühlend, gnädig und nachsichtig. Wer nachsichtig ist, der sieht jemandem etwas nach. Das heißt: »Ich verzeihe dir, ich vergebe dir.«
Im heutigen Evangelium steht für mich ein eindeutiger Auftrag dafür:
Wem immer ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; 

wem ihr sie festhaltet, dem sind sie festgehalten. 
Das heisst: Wir haben es in der Hand zu vergeben. Wir haben es in der Hand, barmherzig zu sein. Oft ist es so, dass unser Verstand, unser Kopf sagt: »Ich muss vergeben!« Aber das braucht Zeit. Häufig ist der Weg bis zu unserem Herzen recht lang, bis wir sagen können: »Ich kann dir vergeben!« Wenn uns das Vergeben nicht gelingt, oder noch nicht gelingt, so müssen wir auch barmherzig mit uns selbst sein.
Selbstkritik ist wichtig und wertvoll. Kritisch mit sich selbst zu sein, bringt uns in unserer Entwicklung weiter. Oft ist dieser innere Kritiker sehr unbarmherzig mit uns selber. Wir verurteilen uns, wenn wir einen Fehler machen. Wir beschimpfen uns, wenn etwas schief läuft. Wir kommen nicht durchs Leben ohne andere zu kränken. Wir werden immer wieder schuldig, ob wir wollen oder nicht. Ich muss also auch barmherzig mit mir umgehen, ein Herz haben für das Schwache in mir. Dieser Kritiker in uns zweifelt an etwas. 
Im Evangelium ist Thomas der Zweifler. Er glaubt nur, was er sieht und berühren kann, dann kann er begreifen. Thomas wird auch Dídymus genannt, was Zwilling bedeutet. Vermutlich kennen wir diesen Zwilling in uns auch, diesen Thomas in uns, diesen Zweifler.
Wer das Glück gehabt hat, in einer Familie aufzuwachsen, in der er gute Vorbilder für den Glauben gefunden hat, zweifelt vielleicht weniger. Wer Vorbilder hatte, die unglaubwürdiges Verhalten vorgelebt haben, ist kritisch geworden, vielleicht sogar rebellisch. Thomas erlebt die göttliche Barmherzigkeit. Jesus kommt zurück zum Zweifler, ohne Vorwurf. Er lässt ihn seine Wunden sehen und berühren. 
Diese Sinneserfahrung hilft Thomas in seinem Glauben.
Edith Viktorin

  


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NOTIZEN

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Ausnahmezustand

Laut aktuellem Stand sieht die Maßnahmenverordnung der österreichischen Bundesregierung vor, 
dass Großveranstaltungen bis Ende August 2020 nicht stattfinden dürfen, um eine Weiterverbreitung von Covid-19 zu verhindern.
Bei uns betrifft das die Erstkommunion, die Firmung, 

alle vorgesehenen Kulturpunkte, das Fest am Kirchplatz etc.
Hochzeiten, Taufen, Begräbnisse dürfen nur in kleinem Rahmen stattfinden, eine markante Herausforderung.
Und: 
Wie wir es ja schon seit dem 3. Fastensonntag erfahren:
Auch die Gottesdienste in der Kirche zählen zu den Großveranstaltungen und sind deswegen abgesagt.

Der Kirchenraum bleibt in seiner Stille wie ein wertvoller Rückzugsraum geschmückt und offen. 
Am Sonntagvormittag wird Orgelmusik zu hören sein.

Bei den Gabentischchen ist ein Pult aufgestellt:
Das Lektionar 'Sonntagsgottesdienste' ist aufgelegt,
Texte, Gedanken zum Sonntag dazugeschrieben. 
Die Blätter sind zum Mitnehmen da!