Foto: Kinder im Bereich der Klagemauer, Jerusalem


15. Sonntag im Jahreskreis


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BIBELTEXTE

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aus dem Brief an die Gemeinden in Rom                                                                                                                                             8,18–23

Das Seufzen der Schöpfung

18 Ich bin nämlich überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zur Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll.

19 Denn in sehnsüchtigem Verlangen wartet die Schöpfung auf das Offenbarwerden der Söhne und Töchter Gottes. 

20 Wurde die Schöpfung doch der Nichtigkeit unterworfen, nicht weil sie es wollte, sondern weil er, der sie unterworfen hat, es wollte – nicht ohne die Hoffnung aber, 

21 dass auch die Schöpfung von der Knechtschaft der Vergänglichkeit befreit werde zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. 

22 Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung seufzt und in Wehen liegt, bis zum heutigen Tag. 

23 Doch nicht nur dies; nein, auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe empfangen haben, auch wir seufzen miteinander und warten auf unsere Anerkennung als Söhne und Töchter, auf die Erlösung unseres Leibes.

Zürcher Bibel

 

 

aus dem Evangelium nach Matthäus                                                                                                                                                     13,1–9

1 An jenem Tag verliess Jesus das Haus und setzte sich an den See.  

2 Und es versammelten sich so viele Menschen um ihn, dass er in ein Boot stieg und sich setzte; und das ganze Volk stand am Ufer. 

3 Und er sagte ihnen vieles in Gleichnissen: Seht, der Sämann ging aus, um zu säen.  

4 Und beim Säen fiel etliches auf den Weg; und die Vögel kamen und frassen es auf.

5 Anderes fiel auf felsigen Boden, wo es nicht viel Erde fand, und ging sogleich auf, weil die Erde nicht tief genug war.  

6 Als aber die Sonne aufging, wurde es versengt, und weil es keine Wurzeln hatte, verdorrte es.

7 Anderes fiel unter die Dornen, und die Dornen schossen auf und erstickten es.

8 Wieder anderes fiel auf guten Boden und brachte Frucht: das eine hundertfach, das andere sechzigfach, das dritte dreissigfach.

9 Wer Ohren hat, der höre!

Zürcher Bibel

 

 

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SONNTAG, 12. JULI 2020

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Das Fest am Kirchplatz kann heuer leider nicht stattfinden. So bleibt es für uns bei diesem Zusammenkommen. Wir zollen der Corona-Situation als Christengemeinschaft in unseren Möglichkeiten Respekt.  

 

Gestern vor 25 Jahren hat das Massaker von Srebrenica begonnen, das schlimmste Kriegsverbrechen seit dem 2. Weltkrieg auf europäischem Boden. Mehr als 8.300 Burschen und Männer werden ermordet und in Massengräbern verscharrt. Der jüngste von ihnen ist gerade 13 Jahre alt. Es geschieht in der Schutzzone der UNO. Die Weltgemeinschaft schaut einfach tatenlos zu.

Heute erinnern wir daran mit unzähligen anderen auch.

 

Römerbrief

Er passt gut, dass wir das Wort aus dem Römerbrief hören, das Wort von der Schöpfung, die in Wehen liegt, noch nicht fertig bis zum heutigen Tag. Paulus wählt das Bild von der Geburt. Die Welt ist noch nicht dort, wo sie sein könnte, der Mensch ist noch nicht auf der Höhe, für die er geschaffen ist. Srebrenica, Syrien und der andauernde Krieg, Myanmar und die Vertreibung der Rohingya sind nur ein paar so ganz sichtbare Beispiele dafür.

Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung seufzt und in Wehen liegt,

bis zum heutigen Tag. Röm 8,22

Die Corona-Zeit fügt sich ja auch fast nahtlos in dieses Bild der noch nicht fertigen Welt.

Auch die Kirche gehört dazu, auch sie ist auf dem Weg – noch nicht vollendet, im Gegenteil, mit vielen Mängeln und Fehlern behaftet.

Und wenn wir auf uns selber schauen, werden wir das ja auch entdecken: Das noch nicht Fertige in meinem Leben.

Paulus schreibt den Gemeinden in Rom:

Wir seufzen miteinander und warten auf unsere Anerkennung als Söhne und Töchter, auf die Erlösung unseres Leibes. Röm 8,23b

 

Matthäus

Der Sämann. Der Same, der auf den Weg fällt oder auf felsigen Boden oder unter Dornen.

Wieder anderes fiel auf guten Boden und brachte Frucht. Mt 13,8

Das Schuljahr ist zu Ende. Vieles hat sich in den letzten Monaten verändert. Lehrer und Eltern sind an ihre Belastungsgrenzen gestoßen, Schüler und Schülerinnen auch. Jetzt sind die Zeugnisse verteilt, die Frucht des Jahres wird wohl unterschiedlich sein – ähnlich dem Gleichnis aus dem Matthäusevangelium.

Der Lockdown hat Spuren hinterlassen – in der Wirtschaft, in der Kirche, in der Politik.

Wenn wir in unsere Christengemeinde schauen: Das Erschrecken im März. Alles ist heruntergefahren – das zum Leben so Notwendige sogar: Die Nähe zum anderen Menschen. Der Sonntag – als wäre der Samen auf den Weg gefallen. Ostern – abgesagt.

Und nun suchen wir und viele andere nach dem, was auf guten Boden gefallen ist und Frucht bringt: Die ausdrückliche Dankbarkeit für Gesundheit an Leib und Seele. Das Wissen um die Gefährdung unserer Gemeinschaften. Die so unverzichtbaren Pflegedienste. Die stille Hilfsbereitschaft vor der Haustür. Die Suche nach neuen Formen des gemeinschaftlichen Feierns. Die Rücksicht auf den anderen.

Wieder anderes fiel auf guten Boden und brachte Frucht. Mt 13,8

Sepp Franz

 

 

 

Seals on Wheels - Colin Cowles

(falls zur Auswahl: Im Browser anhören, ansonsten einfach den weißen Pfeil anklicken)

Flöte: Caroline Fort-Sohm

Klavier: Danaila Deleva

aufgenommen von Franz Fort in der Pfarrkirche Fußach am 28. Juni 2020 

 

 

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NOTIZEN

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Kurt Brüning, Feldweg 14

1930 geboren, am vergangenen Dienstag haben wir ihn bestattet.

 

Ausnahmezustand nach wie vor 

Wir versuchen, uns allmählich in einen akzeptablen Rhythmus einzupendeln, der den Vorgaben möglichst entspricht und der doch nicht in ein unübersichtliches Regelwerk mündet. Den Impfstoff für Sars-CoV-2 gibt es noch nicht.

Die Infektionsgefahr besteht weiterhin.

Deswegen ist Abstand auch in den Gottesdiensten wichtig. Der Mund-Nasen-Schutz muss nicht mehr getragen werden.

 

Am kommenden Samstag um 10:30 Uhr wird hier die kleine Ophelia Thißen aus Höchst getauft.

Am nächsten Sonntag feiern wir um 8 und um 10 Uhr Gottesdienst. Im 10h–Gottesdienst erinnern wir an Sandra Grabher, Siedlerstraße 7. Sie ist am 16. Juli vor einem Jahr gestorben.

Die Texte zum Sonntag liegen immer bei den Ausgängen auf. Wer mag, kann sie gerne mitnehmen.

 

Die Ausstellung »mir wird so leicht« von Anna Rubin mit den vielen Engeln oder Seelen oder Kelchen soll gerade in dieser Zeit Hoffnung und Dankbarkeit in unseren Tag bringen.