Foto: Galiläa

14. Sonntag im Jahreskreis


Unser Firmengründer

Ich beginne mit unserem Firmengründer. Als Jugendlicher, als junger Mann ist er sicher mit seinem Vater in den Orten von Galiläa als Bauhandwerker unterwegs gewesen. Das griechische Wort tekton ist in der deutschen Übersetzung als Zimmermann wiedergegeben. Dieses Wort kann man im Deutschen als Bauhandwerker, Maurer, Architekt übersetzen. Wahrscheinlich haben die Männer auf dem Bau alles gemacht. 

Ich sehe drei wichtige Dinge, die das Leben dieses jungen Mannes geprägt haben:

° Bei seinem Vater hat er gelernt, anzupacken, das Leben in die Hand zu nehmen. Vielleicht waren die Männer damals auch so tüchtige Handwerker wie die Vorarlberger, wie die Wälder-Handwerker.

° Er hat die arbeitenden Menschen kennen gelernt. Einfache Leute aus den Dörfern. Er hat ihre Sprache gesprochen. Aus den Berichten der vier Evangelien, besonders aus den Gleichnissen wissen wir, wie er Bilder aus seinem Umfeld verwendet hat.

° Bei seinem Vater hat er den Glauben Israels kennen gelernt. Sein Vater hat ihn am Sabbat mit in die Synagoge genommen. Und bei der Mama hat er daheim glauben und beten gelernt.

Ausgestattet mit diesen Mustern – anpacken, mit der Sprache der einfachen Leute, mit dem tiefen Glauben Israels – ist er an die Arbeit gegangen. So wie als Handwerker ist er durch die Dörfer von Galiläa gezogen, hat Frauen und Männer um sich versammelt. Begonnen hat er mit den Fischern, mit den Bauern am See Genezareth: Simon genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas. Dann zwei andere Brüder, Jakobus und seinen Bruder Johannes. Sie haben bei ihm gelernt, wie man dran geht, wie man anpackt. Er ist auf die Leute zugegangen, hat den einfachen Leuten in ihrer Sprache die gute Botschaft von Gott gebracht. Sie haben so in ihrer Sprache den Glauben Israels kennen gelernt. Den Umgang mit den Leuten haben sie bei ihm gelernt. Die Frauen und Männer, die in Galiläa mit ihm gegangen sind – die haben ihn nach Jerusalem zum Paschafest begleitet: triumphaler Einzug in Jerusalem, Abendmahl, Verurteilung Jesu zum Tod, Tod am Kreuz und Auferstehung. Nach den tragischen Ereignissen in Jerusalem hat er zu ihnen gesagt: So, und jetzt geht ihr wieder zurück in eure Heimat Galiläa und tut dort das, was ihr bei mir in den drei Jahren gelernt habt. Spannend und sensationell: Nach zwei Jahrtausenden existiert diese Firma immer noch. 2,3 Milliarden Christen auf der ganzen Welt. Wir gehören auch dazu. Mit anderen Frauen und Männern hat sich inzwischen einiges geändert.

 

Unser Firmengründer hat die Sprache der arbeitenden, der einfachen Menschen kennen gelernt. 

Heute klagen Leute, dass sie die Sprache der Kirche nicht verstehen. Die Theologie hat wie jede Wissenschaft eine Fachsprache. Wer aber theologische Inhalte überhaupt nicht mehr ohne diese Fachsprache ausdrücken kann, zeigt damit, dass er die gescheiten Inhalte im Grunde genommen gar nicht verstanden hat. Es bleibt dann beim Nachplappern von Formeln und Floskeln. Für die Vermittlung theologischer und biblischer Inhalte braucht man eine ganz einfache Alltagssprache, kurze Sätze, lebensnahe Bilder, alltagsbezogene Erfahrungen. Unser Firmengründer hat das getan und wir sollten bei ihm in die Lehre gehen. Martin Luther, Gott hab ihn selig, hat an uns Prediger und Seelsorger ein wichtiges Wort gerichtet: »Schaut den Leuten aufs Maul!« Das heißt: Hört auf die Sprache der Leute und verkündet mit ihrer Sprache die Botschaft eures Firmengründers. 

 

Manchmal erschrecke ich, wie wenig manche Leute von der Bibel kennen. 

Ihre Kenntnis der Bibel geht nicht über den Religionsunterricht hinaus. Und, wenn der Religionsunterricht dürftig war, was dann? 

In unseren Predigten sollte die Bibel sehr zur Sprache kommen. Was nehmen die Leute mit? Was nehmt ihr heute von der Predigt mit? 

Ich erinnere mich an eine Unterhaltung mit jungen Leuten. Da kommt eine Geschichte aus der heiligen Schrift zur Sprache. Da ist ein Schüler vom Religionsunterricht in der 4. Hauptschule. Diese Geschichte habe ich noch nie gehört, sagt er mir. Meine Antwort: Zu dieser Bibelstelle habe ich an dem und dem Sonntag gepredigt. Du warst etwa in der fünftletzten Reihe und meine Predigt ist offenbar bei dir nicht angekommen. 

Ich schließe: Wenn meine Predigt nicht in der fünftletzten Reihe ankommt, dann kann es sein, dass ich sie nicht mundgerecht dargeboten habe.

Georg Meusburger

 

Schrifttexte

Mk 3,20–35

 

Die besorgten Verwandten

20 Und er geht in ein Haus. Und wieder strömt das Volk zusammen, und sie kamen nicht einmal dazu, etwas zu essen. 21Und als seine Verwandten davon hörten, machten sie sich auf, um sich seiner zu bemächtigen, denn sie sagten: Er ist von Sinnen.

Jesu Macht über die Dämonen

22Und die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten: Er hat den Beelzebul, und: Durch den Fürsten der Dämonen treibt er die Dämonen aus.

23Da rief er sie zu sich und redete zu ihnen in Gleichnissen: Wie kann der Satan den Satan austreiben? 24Wenn ein Reich in sich gespalten ist, dann kann dieses Reich keinen Bestand haben. 25Und wenn eine Familie in sich gespalten ist, dann wird diese Familie keinen Bestand haben. 26Und wenn der Satan sich gegen sich selbst erhebt und gespalten ist, kann er nicht bestehen, sondern es hat ein Ende mit ihm. 27Niemand aber kann in das Haus des Starken eindringen und seine Habe rauben, wenn er nicht zuvor den Starken gefesselt hat; dann erst wird er sein Haus ausrauben.

28Amen, ich sage euch: Alles wird den Menschenkindern vergeben werden, alle Sünden und alle Lästerungen, so viel sie auch lästern mögen. 29Wer aber den heiligen Geist lästert, für den gibt es in Ewigkeit keine Vergebung, sondern er ist ewiger Sünde schuldig. 30Denn sie hatten gesagt: Er hat einen unreinen Geist.

Die wahren Verwandten Jesu

31Da kommen seine Mutter und seine Geschwister, und sie blieben draussen stehen, schickten zu ihm und liessen ihn rufen. 32Und das Volk sass um ihn herum, und sie sagen zu ihm: Schau, deine Mutter und deine Brüder und Schwestern sind draussen und suchen dich.

 33Und er entgegnet ihnen: Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Geschwister? 34Und er schaut, die im Kreis um ihn sitzen, einen nach dem andern an und spricht: Das hier ist meine Mutter, und das sind meine Brüder und Schwestern! 35Denn wer den Willen Gottes tut, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter.

Zürcher Bibel

 

 

Vorüberlegungen

Zum Text: Mk 3,20–35 (Evangelium)

Gleich mehrere Themen verpackt der Evangelist Markus in diesen wenigen Zeilen, und es sind lauter Themen, mit denen sich viele schwertun: Jesu Konflikt mit seiner Herkunftsfamilie, der Vorwurf, er sei mit dem Satan im Bund, überhaupt diese martialische Vorstellung eines dualistischen Kampfes zwischen Gut und Böse. Und schließlich das rätselhafte Wort von der Sünde gegen den Geist, die als einzige nicht vergeben werden könne. Hier muss für die Predigt notgedrungen ausgewählt werden. Die Wahl fällt auf Jesu Rede vom Kampf gegen den Satan. Die Predigt schlägt die Brücke vom dualistischen Weltbild, das hinter den Worten des Evangeliums steckt, zu heutigen Erfahrungen von Hass, Gewalt und Terror und dem rechten Umgang damit. Heiler und Kämpfer, das war Jesus, das müssen auch Christen in seiner Nachfolge sein, wenn sie zu einer besseren Welt beitragen wollen.

Georg Meusburger

 

 

Sonntag, 4. Juli 2021

 

Der Frieden kommt nicht von allein

Kann denn nicht irgendwann einmal Frieden sein! Kennen Sie solche Stoßseufzer? Ob in der Familie, ob in der Weltpolitik – es muss doch irgendwann einmal Schluss sein mit Unrecht und Gewalt! Wenn alle mal aufhören ... Aber es gibt sie eben, die anderen. Es gibt Menschen, die zu Terroristen werden, grausam morden, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Es gibt autoritäre Machthaber, die ihre Herrschaft mit aller Gewalt verteidigen. Es gibt gewählte Regierende, die demokratische Regeln und die Grundrechte der Menschen mit Füßen treten. Es gibt Kapitalisten, die den Profit über alles stellen. Und es gibt Egomanen, die nur das eigene Interesse gelten lassen und damit ihr Umfeld tyrannisieren.

Und deshalb gilt: Frieden ist möglich – ja. Aber er kommt nicht von allein. Es ist nicht so, dass alle Menschen gut sind, wenn man sie nur lässt. Dass Friede und Gerechtigkeit quasi automatisch entstehen, wenn jeder den anderen nur in Ruhe lässt. Es braucht mehr: Es braucht Menschen, die entschlossen handeln. »Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es«, so hat Erich Kästner diese Erkenntnis unerreichbar kurz und prägnant in Worte gefasst.

 

Befremdliche Worte vom Kampf gegen das Böse

Das steckt wohl auch dahinter, wenn wir heute hören, dass Jesus sein Leben als Kampf gegen den Satan beschreibt, den es zu überwältigen und zu fesseln gilt, wie wenn einer in ein Haus einbricht und den Bewohner überwältigt. Diese Worte und Bilder klingen für unsere Ohren befremdlich. Die Welt als Kampfplatz zwischen Gut und Böse, zwischen Gott und dem Teufel, das ist nicht das Weltbild unseres 21. Jahrhunderts. Solcher Schwarz-Weiß-Dualismus erscheint uns zu vereinfachend. Und wir haben gelernt, Menschen, die böse handeln, nicht pauschal zu verurteilen, sondern auch die verletzte Seele zu sehen, die oft genug zu solchem Handeln führt. Und Jesus? Er ist doch der Heiland, der einfühlsame Seelsorger und Tröster. Da passt der zornige Kämpfer, der den Schwächeren schlägt, überwältigt und fesselt, nicht dazu.

 

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es

Sicherlich ist es richtig, dass wir Menschen heute, 2000 Jahre später, anders über Gut und Böse denken und sprechen als die Menschen in der Antike. Durch die Erkenntnisse der historischen Wissenschaft, der Psychologie und Soziologie können wir vieles besser verstehen, können erklären, was Menschen, Gruppen und Nationen tun und einander antun.

Aber ein Jesus, der auch ein streitbarer ist, erinnert uns daran: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Es reicht nicht aus, nett und freundlich zu sein, damit das Reich des Friedens und der Gerechtigkeit anbricht, das Jesus uns verkündet hat. Dafür braucht es Menschen, die entschieden das Gute tun. Und noch mehr: Es braucht Menschen, die aufstehen und Einhalt gebieten, wo Täter anderen Gewalt antun, verletzen und zerstören. Gewalt, Machtstreben und Habgier entfalten eine böse Dynamik und Faszination, die viele Menschen anzieht und mitreißt. Dieser bösen Dynamik muss Einhalt geboten werden, sie muss – um uns wieder der biblischen Sprache zu nähern – überwältigt und gefesselt werden, damit das Leben sich entfalten und Menschen ohne Angst leben können.

 

Gegen den Teufelskreis der Gewalt

Dass Jesus beides war, Kämpfer und Heiler, das kann uns lehren, wie ein solches Hinstehen gegen das Böse gelingen kann. Denn in diesem Kampf liegt auch eine große Gefahr: Gewalttäter können meist nicht allein mit guten Worten gestoppt werden. Es braucht den Einsatz von Gegengewalt, es gibt unvermeidlich Sieger und Verlierer. Es kommt also zunächst einmal noch mehr Gewalt in die Situation, es entstehen neue Verletzungen. Und diese können neuen Hass entzünden, zu neuer Gewalt motivieren – es entsteht ein Teufelskreis der Gewalt. Und damit sind auch die, die eigentlich das Gute wollen, Teil der unheilvollen, bösen Dynamik.

Deshalb braucht es neben der Bereitschaft zum Aufstehen gegen das Böse auch den unbedingten Willen zu heilen und zu versöhnen. Es braucht den Willen, alle zu retten, Gute und Böse. Oder noch einmal mit biblischen Worten gesagt: Gott will nicht den Tod des Sünders, er will, dass der Sünder umkehrt und lebt. Nur dann kann der Teufelskreis der Gewalt durchbrochen werden.

 

Kämpfer und Heiler in Recht und Politik ...

Jesus war beides, Kämpfer und Heiler, und er will, dass auch die, die ihm folgen, beides sind, Kämpfer und Heiler. Und das ist ein sehr hoher Anspruch! Wie geht das konkret?

Im Strafrecht und in der internationalen Politik heißt das dann zum Beispiel: Es ist richtig, wenn das das Strafrecht unserer Gesellschaft Opfern und Tätern gerecht werden will. Strafe soll nicht allein Sühne für die Tat und Genugtuung für die Opfer sein, sondern ebenso sehr der Resozialisierung der Täter dienen. Dieses Rechtsprinzip tut unserem Gerechtigkeitsempfinden oft weh, wir gewinnen den Eindruck, dass mit den Tätern besser umgegangen wird als mit den Opfern. Aber die Mütter und Väter dieses humanen und aufgeklärten Strafrechts haben erkannt, dass staatliche Gewalt und harte Strafen allein nicht genügen für eine wahrhaft menschliche Gesellschaft. Es braucht neben der strikten Durchsetzung des Rechts auch die menschliche Zuwendung, das Brückenbauen für ein Zurück in die menschliche Gesellschaft.

 

... und in unserem unmittelbaren Umfeld

Kämpfer und Heiler braucht es auch in unseren Beziehungen. Und nochmals: Es ist ein anspruchsvoller Weg. Alle, die schon einmal in ihrer Familie oder bei der Arbeit mit egoistischen, rücksichtslosen, gewalttätigen Menschen zu tun hatten, wissen das: Entschieden gegen das Böse hinzustehen und dennoch die Hand zur Versöhnung auszustrecken, das kostet sehr viel Kraft und Überwindung. Das braucht viel innere Stärke. Und oft genug wird dann die zur Versöhnung ausgestreckte Hand ausgeschlagen. Doch selbst dann verhindert die ausgestreckte Hand, dass derjenige, der gegen das Böse aufsteht, den Hass in sein Herz lässt und Teil der Gewaltdynamik wird. Er bleibt auf dem Weg Jesu, bleibt Kämpfer und Heiler, selbst wenn er es nicht schafft, die Gewalt zu stoppen und Frieden zu stiften.

 

Tun, was man kann – nicht mehr, aber auch nicht weniger

An dieser Stelle ist ein Innehalten gefragt und ein ehrlicher Blick auf uns selbst: Wie steht es um meine innere Stärke? Wo kann ich kämpferisch und heilsam für das Gute aufstehen? Aber auch ehrlich: Wo spüre ich meine Grenzen? Manchmal fordert schon das Aushalten einer Situation die ganze Kraft. Und das ist sicher: Jesus überfordert uns nicht.

Aber dort, wo wir es können, sollten wir nicht abwarten, sondern handeln. Für das Gute, für Recht und Frieden aufstehen, auch wenn wir vielleicht nur wenig erreichen. Dieses Wenige braucht Jesus, um in unserer Zeit und Welt wirken zu können. Dieses vermeintlich Wenige brauchen auch unsere Mitmenschen von uns.

Denn: »Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.«

 

Georg Meusburger

 

 

Notizen

Neue Gottesdienstzeiten ab Ferienbeginn

Die aktuelle Situation erfordert die schon länger geplante Änderung unserer Gottesdienstzeiten. So werden wir ab Ferienbeginn nur noch zu einem Sonntagsgottesdienst um 10 Uhr einladen können.

Wir wissen, dass es für die 8-Uhr-Gottesdienstgemeinde eine große Umstellung bedeutet und bitten um Verständnis dafür.

Wir freuen uns, wenn sie weiterhin mit uns feiern mögen.

Jeden Wochentag wird bei uns in der Kirche Rosenkranz gebetet. Wer mitmachen mag, ist freundlich dazu eingeladen.

Heute Nachmittag sind zwei Tauftermine anberaumt.

Um 14 Uhr wird Diakon Gerold Hinteregger die kleine Loraine Sophie taufen

und um 15 Uhr Pfarrer Thomas Sauter die kleine Mirabella.

Sonntag, 11. Juli

Wir freuen uns am kommenden Sonntag zu einem Dankgottesdienst für das vergangene Arbeitsjahr einladen zu dürfen. Bei guter Witterung feiern wir den 10-Uhr Gottesdienst auf dem Kirchplatz.

Vier Mädchen und Buben konnten die Firmung vor drei Wochen nicht empfangen, das werden wir an diesem Sonntag nachholen.

Musikalisch dürfen wir uns auf die »Valentinas«, das sind Susanne Kanonier und Ilona Wörnhör mit Norbert Gasser freuen.