13. Sonntag im Jahreskreis


Schrifttexte

aus dem 2. Brief an die Korinther                    2Kor 8,7.9.13-15 

7 Ihr seid doch über die Massen reich in jeder Beziehung: reich an Glauben, Begabung zur Rede, Erkenntnis, an jeglichem Bemühen und an der Liebe, die wir in euch gewirkt haben. So beteiligt euch doch auch an diesem Werk der Gnade in reichem Maß! 9 Ihr kennt ja die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: Um euretwillen ist er, obwohl er reich war, arm geworden, damit ihr durch seine Armut reich werdet. 13 Es geht mir ja nicht darum, anderen Erleichterung zu verschaffen, euch aber in Bedrängnis zu stürzen, sondern alles soll auf Gleichheit beruhen. 14 Im jetzigen Zeitpunkt möge euer Überfluss ihren Mangel aufwiegen, damit auch ihr Überfluss euren Mangel aufwiege, so dass es zu einem Ausgleich kommt, 15 wie geschrieben steht: Wer viel besaß, hatte nicht mehr, und wer wenig besaß, hatte nicht weniger.

Zürcher Bibel

 

aus dem Evangelium nach Markus                       5,21-43

Die Auferweckung der Tochter des Jairus. Die Frau mit den Blutungen

21 Und als Jesus im Boot wieder ans andere Ufer hinübergefahren war, strömte viel Volk bei ihm zusammen; und er war am See. 22 Da kommt einer von den Synagogenvorstehern mit Namen Jairus, und als er ihn sieht, fällt er ihm zu Füssen 23 und fleht ihn an: Mein Töchterchen ist todkrank. Komm und leg ihr die Hand auf, damit sie gerettet wird und am Leben bleibt. 24 Und er ging mit ihm. Und viel Volk folgte ihm und drängte sich um ihn. 25 Und da war eine Frau, die hatte seit zwölf Jahren Blutungen 26 und hatte viel gelitten unter vielen Ärzten und ihr ganzes Vermögen ausgegeben. Aber es hatte ihr nichts genützt, es war nur noch schlimmer geworden mit ihr. 27 Als sie nun von Jesus hörte, kam sie im Gedränge von hinten an ihn heran und berührte seinen Mantel. 28 Denn sie sagte sich: Wenn ich auch nur seine Kleider berühre, werde ich gerettet. 29 Und sogleich versiegte die Quelle ihrer Blutungen, und sie spürte an ihrem Körper, dass sie von der Plage geheilt war. 30 Und sogleich spürte Jesus, dass eine Kraft von ihm ausgegangen war, und er wandte sich im Gedränge um und sprach: Wer hat meine Kleider berührt? 31 Da sagten seine Jünger zu ihm: Du siehst doch, wie das Volk sich um dich drängt, und da sagst du: Wer hat mich berührt? 32 Und er schaute umher, um die zu sehen, die das getan hatte.33 Die Frau aber kam, verängstigt und zitternd, weil sie wusste, was ihr geschehen war, und warf sich vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit. 34 Er aber sagte zu ihr: Tochter, dein Glaube hat dich gerettet. Geh in Frieden und sei geheilt von deiner Plage. 35 Noch während er redet, kommen Leute des Synagogenvorstehers und sagen: Deine Tochter ist gestorben! Was bemühst du den Meister noch? 36 Doch Jesus, der hörte, was geredet wurde, sagt zu dem Synagogenvorsteher: Fürchte dich nicht, glaube nur! 37 Und er ließ niemanden mit sich gehen ausser Petrus, Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus. 38 Und sie kommen in das Haus des Synagogenvorstehers. Und er sieht die Aufregung, wie sie weinen und laut klagen. 39 Und er geht hinein und sagt zu ihnen: Was lärmt und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, es schläft. 40 Da lachten sie ihn aus. Er aber schickt alle hinaus, nimmt den Vater des Kindes und die Mutter und seine Begleiter mit und geht hinein, wo das Kind ist. 41 Und er nimmt die Hand des Kindes und spricht zu ihm: Talita kum! Das heisst: Mädchen, ich sage dir, steh auf! 42 Und sogleich stand das Mädchen auf und ging umher. Es war zwölf Jahre alt. Da waren sie fassungslos vor Entsetzen. 43 Und er schärfte ihnen ein, dies niemanden wissen zu lassen. Und er sagte, man solle ihr zu essen geben.

Zürcher Bibel

 

 

Sonntag, 27. Juni 2021

Jesus Christus | Auf deinen Namen sind alle getauft | Du erinnerst uns an die Liebe, das Mitgefühl und die Zärtlichkeit | Du hast alle geachtet, jeden Mann, jede Frau | Du hast die Kinder in die Mitte genommen und Kranke haben Heilung erfahren | Du bist am Kreuz gestorben und auferstanden | Du willst, dass alle Menschen ein Leben in Fülle haben | Dein Brot teilen wir auch heute | Du willst in uns Wohnung nehmen

 

So haben die Firmlinge vor 2 Wochen hier gebetet. Berührt von diesen Worten bin ich durch diese 2 Wochen gegangen. Berührt von diesen Worten habe ich die Texte des heutigen Sonntags gelesen.

 

»Du willst, dass alle Menschen ein Leben in Fülle haben«

Paulus, er begleitet die ersten Gemeinschaften von Christen, er ermutigt und ermahnt sie in seinen Briefen. Korinth ist eine wichtige Handels- und Hafenstadt. Die christliche Gemeinde entstand vermutlich um 50 n. Chr. Paulus schreibt an die Gemeinde von Korinth: 'Es geht nicht darum, dass ihr in Not geratet, indem ihr anderen helft, es geht um einen Ausgleich.' Worte, die aktueller nicht sein könnten. Worte, die an uns gerichtet sein könnten. Ausgleich – so schwer kann es sein, das rechte Maß zu finden. Vor allem, den richtigen Blick zu finden für die Not in der Welt, in unserer Nachbarschaft. Schwer ist es zu entdecken wo ich, wo wir, diesen Ausgleich anbieten und tun können. Paulus schreibt auch: 'Ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus.' Diese Gnade ist auch uns zugesichert und kann Unterstützung und Führung für diese große Aufgabe sein.

Du erinnerst uns an die Liebe, das Mitgefühl und die Zärtlichkeit. Du hast die Kinder in die Mitte genommen und Kranke haben Heilung erfahren.

Markus erzählt diese beiden Geschichten von Krankheit, Tod und Heilung und verwebt sie miteinander. Das Markusevangelium ist um 70 n. Chr. entstanden. Einzelüberlieferungen wurden zu einer Erzählung verarbeitet. Markus deutet das Leben Jesu vom Kreuz her. Mit den Wundererzählungen macht er das kraftvolle Wirken Gottes in der Welt sichtbar. Jesus ist auf dem Weg. Viele Menschen folgen ihm inzwischen. Eine große Menschenmenge umringt ihn. Einer kommt zu ihm, es ist Jairus, der Synagogenvorsteher. Er fällt ihm zu Füßen und fleht ihn an: 'Meine Tochter liegt im Sterben, lege ihr die Hände auf.' Auf dem Weg dann die Begegnung mit der Frau, die seit 12 Jahren an Blutfluss leidet. Dieses Leiden bedeutet nicht nur ständige Schwächung des Körpers, es bedeutet völlige Isolation. Dieses Leiden macht sie unrein, schließt sie von Gemeinschaft und Berührung aus – 12 lange Jahre. Es hat kaum eine Zeit gegeben, in der wir die Schwere diese Schicksals besser erahnen konnten wie heute – wo wir aus eigener Erfahrung verstehen können was es heißt, keinen Kontakt, keine Berührung erleben zu dürfen. Auch sie erhofft sich von Jesus Heilung. Wagt es, sich durch die Menschenmenge zu drängen, verzweifelt und mutig. Ihr Wunsch wird erfüllt, durch die Berührung erfährt sie Heilung. Jesus wendet sich ihr zu: 'Tochter,

dein Glaube hat dich gerettet.' Die andere Geschichte scheint zu scheitern. Als sie im Haus des Jairus ankommen, hören sie: 'Deine Tochter ist gestorben.' Während die Frau gerettet, geheilt wurde, ist die Hoffnung des Jairus nicht erfüllt worden. Wie muss das für ihn gewesen sein. Wir alle kennen Situationen, in denen für uns bedeutende Hoffnungen nicht erfüllt werden. Manche von uns kennen sie auch in dieser großen Dimension,

ein geliebter Mensch, ein geliebtes Kind stirbt. In dieser Geschichte greift Jesus noch einmal ein. Er geht mit wenigen vertrauten Menschen in das Zimmer des Mädchens. Er ergreift ihre Hand und spricht sie an: 'Talita kum. Wach auf.' Wieder ist es die Zuwendung, wieder ist es die Berührung, hier ist es auch ein Wort, und das Mädchen ist wach.

So kann uns dieser Text trösten, ermutigen. Er kann uns ermutigen, darauf zu achten, wo unsere Zuwendung, unsere Berührung, unser Wort ein Wunder bewirken kann. Wo unsere Zuwendung, unsere Berührung, unser Wort Menschen aus der Isolation holen kann, Menschen wieder wach und tatkräftig sein lassen kann. Dieser Text kann uns auch ermutigen, die Zuwendung, die Berührung, das Wort selbst anzunehmen.

„Du willst, dass alle Menschen ein Leben in Fülle haben“

Ruth Sturm