27. April 2020
Am frühen Morgen in Tabgha. Die Männer auf dem Boot, nachdem das Netz leer bleibt und sie erfolglos zurückfahren, sehen sie ihn am Ufer stehen. Er spricht mit ihnen, will mit ihnen etwas essen. Wieder das Kohlenfeuer, die Erinnerung an die Nacht, als der Hahn krähte. Sie sollen das Netz auf der rechten Seite auswerfen. Dann wird das Netz voll. Sie zählen 153 Fische. Immer, wenn ich in biblischen Texten unverstehbare Zahlen lese, suche ich bei Friedrich Weinreb und staune jedesmal aufs Neue...

26. April 2020
Später Abend. Regen am Fenster. Wie gut zu hören. Heute morgen las eine Frau in Ö1 die Geschichte des reichen Fischfangs. Augenblicklich war sie wieder da, diese sanfte Anwesenheit der friedvollen Stille von Tabgha, dem Ort der sieben Quellen im Norden von Galiläa. Manchmal hatten wir das Glück, dort am Ufer des Sees, im schlichten Gästehaus der Franziskanerinnen zu übernachten. In diesem Vogelparadies aufzuwachen, über die kleinen Wege, die von Palmen und riesigen Ficusbäumen gesäumt...

19. April 2020
Ostergrüße aus Patmos. Maria schickt Bilder von einer menschenleeren Insel. Die roten Eier liegen in der Schale auf ihrem Tisch. Frühlingsblumen daneben und süsses Brot. Aber es wird still bleiben. Die Klöster sind geschlossen, kein freudiges, lautes Osterfeuer in Skala und keine Schiffe, mit denen die Verwandten kommen wollten. Gründonnerstag ohne Fußwaschung auf Chora. Die Ikone des leidenden Christus von El Grecco wurde nicht durch die schmale Gasse getragen. Keine Besuche in den...

16. April 2020
Donnerstag nach Ostern. Mein Osterlicht brennt. Christine und Paula haben mir eine wunderschöne Kerze geschenkt. Ein prächtiger Schmetterling auf dem leuchtenden Wachs der Bienen und darunter mein Name in Goldbuchstaben. Das Geschehen zu Ostern – Auferstehung - trägt also meinen Namen und Deinen und unser aller Namen. Die Blätter mit einem Referat von Doris Strahm über Ivone Gebara*, der südamerikanischen Theologin, hab ich wieder hervorgeholt. Gebaras Sicht von Auferstehung als...

15. April 2020
Ein sonniger, kühler Morgen in den Blütenbäumen und unaufhaltsam spriessendes Grün vor meinem Fenster. Die Arbeit häuft sich. Wie weiter mit allem? Meine Ostermorgenfrauen sind noch in Jerusalem. Waschen, kochen, laufen in Eile durch die Gassen, mit der Sprachlosigkeit des zerstörten Tempels im Leib und dem Hohelied, das verloren scheint. Sehnsuchtsort Jeruschalajm. Al Qudds, die Heilige. Hinter der Mauer leuchtet die goldene Kuppel. Rose Ausländers Herzschaukel.* Mit ihr in den Tag....

13. April 2020
Der Ahornbaum im Garten steht im schönsten Frühlingskleid. Klein und zart seine Blätter, sie sprießen im hellen Grün. Beim Esel war ich stehen geblieben. Inzwischen treffen bunte Ostergrüße ein über WhatsApp und Signal. Keine Osternacht in der Kirche, kein Einladen dürfen. Abstand halten auch im Garten. Noch immer liegen Josef Kopfs Gedichte auf meinem Tisch. Seine wunderbaren Sprachbilder führen in die Stille. … wenn leise einstürzen die goldenen ränder der welt Karfreitag und...

08. April 2020
Früher Morgen. Die Vögel singen aus den Bäumen. Der erste Sonnenstrahl zeichnet Lichtstreifen an die Wand. Immer noch der Palmzweig auf meinem Tisch. Der Einzug in Jerusalem. Bin nicht weiter gekommen. Beim Esel hängengeblieben und dem warmen Atem seines Fells. Jerusalem und seine Tore. Durch welches sie gezogen sind mit dem Füllen? Ich werde Nora fragen. Josef Kopf, Poet aus dem Schweizer Rheintal. Aus einem seiner wunderbaren Wüsten- und Jerusalemgedichte kommt mir diese Zeile in den...

04. April 2020
Ich räume auf. Morgen ist Palmsonntag 2020. So viele Kostbarkeiten haben sich in den letzten Jahren angesammelt. Auf Reisen, beim Lesen daheim, beim Schreiben. Im Miteinander teilen. In der Stille und im Durcheinander. Wer Lust hat, mit mir das eine oder andere zu erinnern, ist herzlich willkommen. Hab noch nie einen Blog gemacht. Weiß auch nicht, wie man das tut. Meine Freundin Roswitha wird mir dabei helfen. Wunderbar. So fange ich an. Ein kleines Zitat auf einem Zeitungsausschnitt – hab...